Aktualisiert am 25. Mai 2025

Es ist nun schon über 6 Jahre her, seit ich meinen wichtigsten Blogartikel geschrieben habe. Der Beitrag Warum ich gegen Barf bin ist zweifelsohne der Artikel, welcher die meiste Aufmerksamkeit erregt hat, mit dem ich mir damals natürlich einen Shitstorm eingehandelt habe und der zugleich wie kaum ein anderer den „Geist der Zeit“ getroffen hat.
Was damals ein regelrechter Frevel war – denn Barfen galt als eine Art „Heiliger Gral“ der Hundeernährung – wirkt heute, als hätte ich eine Glaskugel besessen. Die hatte ich natürlich nicht. Aber wie man so schön sagt, „wer denken kann ist klar im Vorteil“ und nichts anderes habe ich gemacht. Ich habe weitergedacht. Weit hinaus über den „Tellerrand“. Und da stehen wir nun, wo der Spiegel den Hund wegen seinem hohen Fleischkonsum als Öko-Sau betitelt und der moderne grüne Yuppie seinen Hund am liebsten vegan ernährt. Das ist übrigens der gleiche, den man noch vor einigen Jahrzehnten als weltfremden, Jute-bekleideten Öko-Spinner abtat. Tja, die Zeiten ändern sich.
Ja, in der Tat, die Zeiten haben sich geändert. Gerade erleben wir, wie die Nahrungsmittelindustrie schrittweise auf Links gedreht wird. Man darf gespannt sein, wie lange man Fleisch noch aus Massentierhaltung zu Spottpreisen kaufen kann. Die Zeichen stehen günstig, dass es damit bald vorbei ist. Auch wenn mir der Extremismus, der aktuell in Sachen Klimaschutz an den Tag gelegt wird, nicht so wirklich zusagt, sehe ich diese Entwicklung doch positiv. Mir ging es von jeher vorrangig um das Tierleid, das die übliche Fleischproduktion verursacht. Daher finde ich es mehr als begrüßenswert, wenn solche kürzlich beim Klimagipfel beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden, nämlich eine Reduzierung der Viehbestände.
„Um die Klimakrise aber global einzudämmen, führt aus Sicht des Agrarökonomen kein Weg an veränderten Ernährungsgewohnheiten vorbei. „Wir müssen insgesamt von unserem hohen Niveau des Fleichkonsums runter.“ Weniger Fleisch sei gut für das Klima, nicht nur Rindfleisch, sondern auch Schweinefleisch“
Und der Hund so?
Der Viehbestand soll reduziert werden und dies soll gelingen mithilfe von Preiserhöhungen. Was aber wird das bedeuten für die Hundeernährung? Na, ist doch logisch: Es werden zum einen weniger „Reste“ aus der Fleischproduktion für den Hund zur Verfügung stehen, zum anderen werden diese Reste nicht mehr spottbillig sein. Das heißt, Barfen wird nicht nur deutlich schwieriger in der Umsetzung werden, es wird auch teurer. Währenddessen wird sicherlich auch das herkömmliche Fertigfutter teurer werden, da die Preise für Nahrungsmittel allgemein steigen. Jedoch haben die Hersteller hier noch einen gewissen Spielraum, sie können die Zusammensetzungen dem Markt anpassen.
Wer barft wird bald viel Gegenwind bekommen
Es werden aber nicht alleine der Markt und die Preispolitik „richten“. Vom verpönten SUV-Fahrer zum verpönten Barfer ist der Weg jetzt nicht mehr weit. Denn – die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern: wer seinen Hund mit viel Fleisch füttert, der ist ein Umweltsünder. Und Umweltsünder sind die Terroristen von Morgen. Es geht hier nicht mehr darum, wie man einen Hund „artgerecht“ ernährt. Das war sowieso schon immer ein „Luxusargument“. Es geht um Ressourcen. Wer sich schon bald entscheiden muss, wer denn nun am Sonntag das Steak bekommt, wird sich eher nicht für den Hund entscheiden.

Was wird aus der „artgerechten“ Ernährung des Hundes?
Wer hat denn eigentlich überhaupt definiert, dass ein Napf, der vor lauter Fleisch überquillt, die einzig artgerechte Ernährung vom Hund ist? Das waren an erster Stelle wohl jene, die damit ein billiges Abfallprodukt an den Hundehalter bringen wollten. Die Geschichte oder auch die Evolution jedenfalls waren es nicht, wie man z. B. sehr schön in diesem Buch nachlesen kann. Dort ist sogar von einer „vegetarischen“ Hundeernährung die Rede.
Nicht dass du mich jetzt falsch verstehst. Ich bin nicht geneigt, das eine Extrem durch das andere abzulösen, indem ich jetzt raushaue, dass ich gegen BARF bin und die vegetarische Fütterung die einzig wahre Hundeernährung wäre. Nein!! Der Hund ist ein Opportunist. Das heißt, er hat sich immer schon dadurch „bewährt“, dass er sich allen möglichen Gegebenheiten anpassen konnte. Auch eine Ernährung mit wenig oder sogar ganz ohne Fleisch ist dabei möglich. Trotzdem sollte die Entscheidung, wie man einen Hund füttert, immer durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Es gibt nicht die einzig wahre und mögliche Methode, sondern es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Jeder Hundehalter kann, darf, sollte die Variante finden, die individuell, für den einzelnen Hund, die individuellen Lebensumstände und Möglichkeiten am besten passt.
Dabei wird es sicherlich den Hund geben, der bestens mit einem veganen Hundefutter versorgt ist, sowie auch jenen, der aufgrund verschiedener Faktoren dann trotzdem noch teuer gebarft wird.
Ich persönlich bin trotzdem gegen BARF
Für mich persönlich kommt das Barfen dann trotzdem nicht in Frage, heute noch weniger als vor einigen Jahren. So wie ich meine eigene Ernährung versuche so auszurichten, wie es artgerecht für alle, umweltbewusst, gesund, bezahlbar und nachhaltig ist, will ich das auch für den Hundenapf. Ich würde mir daher auch eher keinen Hund an meine Seite holen, der aufgrund seiner genetischen Ausstattung nach Bergen von Fleisch verlangt. Ich habe sowieso noch nie verstanden, wieso man in unseren Breitengraden einen Huskie als Familienhund hält.

Dazu fällt mir dann auch gleich Michael Grewe ein, der in seinem tollen Buch Hoffnung auf Freundschaft dazu geraten hat, den Hund nicht nach seinem Aussehen, sondern nach seinen Eigenschaften auszuwählen. Aber das ist natürlich wieder eine andere Geschichte …

Klasse Artikel! Genauso habe ich auch gedacht als ich bei uns von Barf auf Clean Feeding umgestellt habe 🙂
Danke liebe Annette 😀
Hallo liebe Anke,
auch Dir noch sehr spät und eben nachträglich alles Gute für dieses Neue Jahr 2022.
Und toll, dass Du mit diesem Artikel „noch einmal nachgelegt hast“! :))
Viele Grüße von Anja mit Gyda und Katja
Dankeschön 😀
Hallo Anke
In einem deiner Artikel sprichst du dich gegen jede Form von „Extremismus“ aus. Das fand ich richtig gut 👍.
Jetzt ist dein 3. Artikel zu Barf da – und jetzt bin ich dagegen 😞
Ich vermisse ich einige Angaben, bei einer so breit aufgestellten Bloggerin eigentlich verwunderlich 😉.
Es gibt diverse Übersetzungen bezüglich BARF. Diesen Hinweis hätte ich mir von dir gewünscht. Nach meinem jetzigen Wissensstand sind Hunde als Folge der Domestikation omnivor (allesfressend wie wir) und nicht mehr carnivor (fleischfressend wie der Wolf). Daher habe ich BARF immer so übersetzt „bare and raw food“ = reine und rohe Kost.
Naturbelassene Nahrungsbestandteile ohne Weiterverarbeitung an einen Hund zu verfüttern ist für mich nachvollziehbar und damit sicherlich nicht falsch. Viele wertvolle Inhaltsstoffe gehen z.Bsp. durch Erhitzen verloren etc pp.
Mein Tierheimhund musste ich zu Beginn nach Anweisung des Tierheims (Hilfestellung nicht Befehl) mit einem Monoprotein-Trockenfutter (Geflügel/Kartoffel) versorgen, da er nichts anderes ohne Durchfall zu sich nehmen konnte.
Seine Verdauungsprobleme waren dem Hochstress geschuldet. Er war kein Allergiker. Das steht nach 5 Jahren bei mir fest.
Mein Interesse an Barf hat mein „Hundewissen“ vervielfacht. Wie komplex dog-feeding 😉 ist, war eine Inspiration und ich bin dankbar für Blogs wie Deiner. Es ist nämlich alles andere als einfach, korrekte und fundierte Informationen zu finden. Selbst in Büchern gibt es widersprüchliche Aussagen und deshalb bitte bleib reflektiert.
Ja es gehört m.M.n. Fleisch ins Hundefutter aber in korrekten Anteilen, für meinen Hund habe in etwa 50 % Fleischanteil 35 % Obst und Gemüse und der Rest Öle/Fette/Kräuter usw.
Und jetzt; tut meinem Hund wirklich alles gut, was roh ist? Sind für mich fertige „Barfmenüs“ aus dem Laden Barf? Sind die Pülverchen aus dem Laden, sogenannte Nahrungsergänzungsmittel, die ich „zwingend“ kaufen muss, damit ich meinen Hund nicht krankfüttere, naturbelassen ?
Ich wohne in der Schweiz (wir lesen auch deutsch), sind unsere Gesetze betreffend Tierwohl gleich wie in Deutschland? Kann ich den Metzger um die Ecke, der selber schlachtet (keine Tiertransporte durch ganz Europa), durch meinen Fleischkauf (inkl für Menschen unverkäufliche Stücke wie z.Bsp. Stichfleisch) unterstützen?
Es gibt pro und contra, findest du nicht Anke?
Ich habe soviel gelernt, ich suche meine Nahrungsergänzungsmittel in der Natur. Ich wasche Eierschalen und mahle sie so pulverig wie möglich, weil der Körper so fast alles verwerten kann.
Gerade konnte ich Sojabohnen in einem Acker bestimmen und erfuhr dabei, dass dies die einzige Pflanze mit einem dem Tierisch gleichwertigen Eiweiss.
Jeder Hund ist anders, wenn wir sie lieben, ist es wirklich wünschenswert (und ausserdem so spannend ❣️), dass wir uns intensiv mit ihrer Ernährung befassen, uns Wissen aneignen und erst danach möglicherweise kontrovers Fütterungsarten diskutieren.
Von Bloggern wünsche ich mir, dass sie mich dahingehend unterstützen, mir Wissen anzueignen, differenziert hinzuschauen und selbst ihre eigene Meinung kritisch zu hinterfragen.
Das wäre souverän!
LG Yvonne
*2 Hundehalter = 3 Meinungen*
Hallo liebe Yvonne,
vielen Dank zunächst einmal für deinen ausführlichen Kommentar! Dass dir dieser dritte Artikel aus meiner Reihe „Warum ich gegen Barf bin“ nicht so gut gefällt, liegt wohl – so vermute ich – auch an meinem etwas bissigen Schreibstil.
Die von mir skizzierte Entwicklung hat sich nicht ganz so ergeben, wie ich es erwartet hatte. Inzwischen haben wir ganz andere Probleme, und die zunächst durchaus positive Entwicklung hin zu mehr Tierwohl wurde stark ausgebremst. Billigfleisch ist weiterhin billig geblieben, und Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr „in aller Munde“. Schade eigentlich.
Das „Barf“, wie ich es in meinen Artikeln meine, bezieht sich auf die Ausrichtung an der Ernährung von Wölfen, also auf die Biologisch Artgerechte RohFütterung, wie sie beispielsweise von Swanie Simon und Nadine Wolf publiziert wird. Gegen eine Fütterung mit frischen Komponenten habe ich nichts. Einer reinen Rohfütterung würde ich aber auch eher nicht zustimmen, denn manches, das gekocht werden sollte oder muss, ist durchaus wertvoll für den Hundenapf. Gerade habe ich auch in meinem Newsletter thematisiert, weshalb ich Kohlenhydrate unter anderem auch für Hunde wichtig finde, selbst wenn sie nicht als essenziell gelten. Und da ist Kochen meist sinnvoll bzw. sogar nötig. Erhitzung zerstört auch übrigens Nährstoffe nicht, es reduziert nur bei einigen den Gehalt, je nach Nährstoff mal mehr mal weniger. Vitamin A wird durch Erhitzung besser verfügbar, als Beispiel.
Was genau du mit den Angaben meinst, die du vermisst, ist mir nicht ganz klar. Die Artikel gegen Barf sind in erster Linie Meinungsbeiträge. Auf meinem Blog findest du aber zahlreiche weitere Beiträge, in denen ich auch verlässliche Quellen verlinke. Ich orientiere mich gerne an Fachleuten wie Zentek, berücksichtige aber ebenso gerne die geschichtlichen Aspekte der Hundeernährung.
Und: Ich esse selbst weiterhin Fleisch, allerdings in Maßen und möglichst aus guten Quellen. Auch meine Hunde haben bis zuletzt Fleisch bekommen – ebenfalls in Maßen und möglichst aus guter Herkunft. Ich bemühe mich bei dem Thema Ernährung sehr darum, meine Sicht immer wieder zu überprüfen und passe sie auch immer wieder an. So habe ich mich auch sehr intensiv mit vegetarischer und veganer Ernährung von Mensch und Tier befasst, bin aber dann doch immer wieder zu dem Standpunkt gekommen, dass es nicht nötig ist, Fleisch zu verteufeln. Insofern: nein, keine Sorge, Extremismus liegt mir fern 😀
Liebe Grüße, Anke
Hoi Anke
Danke für deine ausführliche Antwort (die sehr viel geklärt hat für mich) und den Hinweis auf „Meinungsbeitrag“. Ja, ich kann dein Argument nachvollziehen, obwohl ich gerade bei meinungsbildenden Beiträgen möglichst umfassend informieren möchte. Dazu gehört z.Bsp. der Hinweis, dass BARF unterschiedlich definiert wird … 😉
So oder so – deine Seite ist ein Gewinn für‘s Internet und damit für uns. Vielen Dank.
LG Yvonne
Hallo Yvonne,
du schreibst, dass DU bei meinungsbildenden Beiträgen möglichst umfassend informieren möchtest … hast du auch einen Blog? Dann schick doch gerne mal den Link dorthin 😀
Liebe Grüße, Anke
Ich habe noch was vergessen 😞.
Dein Artikel zu Vit. D ist grossartig! Ich hatte mich betreffs Vit. D und E dumm und dämlich gesucht bezüglich Bedarf (widersprüchliche Angaben im Netz) und passende Lebensmittel, um den Hund auch wirklich damit versorgen zu können.
Wenn du möchtest, kannst du das auch noch in meinem anderen Kommentar z.Bsp. als PS oder aber es ist einfach nur ein Lob, weil es sich ja um einen anderen Artikel handelt.
Sorry für die zusätzliche Arbeit.
LG Yvonne
Hallo liebe Yvonne,
vielen Dank, das freut mich natürlich! Ich lasse es aber einfach so stehen, wie du es geschickt hast 😀
Liebe Grüße, Anke
Passt 👍
LG Yvonne