“Brauchen wir solche Haustiere wirklich?”

Keine Sorge, die Überschrift stammt nicht von mir. Sie stammt von einem Beitrag auf BR.de, dem Online-Angebot des Bayerischen Rundfunks. Der Autor dieses Beitrags meint, unsere Haustiere (also Katzen und Hunde) wären eine Gesundheitsgefahr für die Menschen und gehören abgeschafft:

“Wer wirklich Tiere in seiner Nähe haben will, sollte seinen Balkon begrünen und ganzjährig Vögel füttern” (Martin Zeyen, BR.de)

Für seine “Empfehlung” nennt er drei Gründe:

  • Die Haustiere schaden dem Klima
  • Sie tragen die Verantwortung für Antibiotika-Resistenzen, unter denen die Menschen dann zu leiden haben
  • Vor allem die Katzen töten Vögel und gefährden deren Population

Nachdem ich auf Facebook schon einen kleinen Beitrag dazu verfasst hatte, möchte ich hier noch einmal umfangreicher auf die Aussagen in diesem Beitrag eingehen. Ich habe den Beitrag, um den es geht, hier übrigens mit Absicht nicht noch ein weiteres Mal verlinkt. Die Verbreitung von solchen kruden Ansichten möchte ich nicht noch weiter unterstützen.

Sind unsere Hunde und Katzen Klimakiller?

Diese Aussage ist nicht unbedingt neu. Aber – das macht sie natürlich nicht besser. Im März dieses Jahres schrieb der Tagesspiegel, Hunde und Katzen würden sich verheerend auf das Klima auswirken. Laut einer Studie der Technischen Universität Berlin wäre ein 15 Kilogramm schwerer Hund, der 13 Jahre alt wird, für 8,2 Tonnen CO2-Ausstoß verantwortlich. Ein Mensch in Deutschland wäre jährlich (!!) für 12,5 Tonnen verantwortlich. Das heißt also, ein Mensch der 80 Jahre alt wird, produziert in seinem Leben 1000 Tonnen. Der Hund 8,2! Aber machen wir den Vergleich fair: Würde ein Mensch nur 13 Jahre alt werden, wäre er für 162,5 Tonnen verantwortlich. Also, da muss ich jetzt noch mal nachfragen: Lieber Tagesspiegel, wer genau wirkt sich jetzt noch mal verheerend auf das Klima aus?

Hunde und Katzen würden jährlich rund 1 Million Tonnen Fleisch fressen. Es stimmt natürlich, dass Hunde und Katzen Fleisch fressen. Aber den Löwenanteil fressen ja wohl noch immer die Menschen. Diese verzehren hier in Deutschland nämlich nach wie vor wohl so rund 5 Millionen Tonnen Fleisch im Jahr.

Der wahre Fleischfresser ist der Mensch

Fleisch wird vorrangig für die Menschen produziert, nicht für die Haustiere. Diese bekommen zumindest weitgehend die Abfälle aus der Fleischproduktion. Es würde im Bezug auf die Fleischproduktion wohl eher keinen Unterschied machen, wenn es keine Hunde und Katzen mehr gäbe. Es würde aber einen Unterschied machen, wenn die Gesetze sich in der konventionellen Tierhaltung endlich einmal ändern würden. Und zwar vor allem in Bezug auf das Tierwohl.

Menschen haben kein Recht, Tiere so auszubeuten. Und ich finde, gerade im Hinblick auf den Umgang mit den sogenannten Nutztieren zeigt sich, dass der Mensch nicht wirklich die Krone der Schöpfung sein kann. Mehr Tierwohl für die Rinder, Schweine, Hühner und Co und dafür weniger Fleisch für die Menschen würde helfen. Damit würde vieles besser werden, nicht nur im Bezug auf das Klima. Das hat aber ja wohl überhaupt nichts mit den Haustieren zu tun. Die man im Übrigen auch ohne riesige Fleischberge versorgen kann, wofür ich ja eh schon länger plädiere.

Kommen wir zum nächsten Punkt …

Haben unsere Haustiere Einfluss auf die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen?

Also diese Aussage aus dem Artikel von BR.de ist echt der Knaller! Hunde und Katzen sollen die Bildung von Antibiotika-Resistenzen fördern, weil sie eng mit den Menschen zusammenleben. Um welche Ecke hat der Autor da wohl gedacht?

Zunächst einmal werden Antibiotika-Resistenzen von all den Menschen (!!) verursacht, die mit Antibiotika missbräuchlich umgehen. Das sind natürlich viele in der Fleischproduktion, auch wenn der prophylaktische Einsatz mittlerweile verboten wurde. Aber – wer frisst noch mal vorrangig das viele Fleisch, das dort produziert wird? Genau, die Menschen! Was uns zum vorherigen Abschnitt zurückführt, dass die Reduzierung des menschlichen Fleischkonsums doch keine schlechte Sache wäre.

Natürlich ist der Hintergrund für diesen Ansatz der geplante und kürzlich in die Medien gekommene beschränkte Einsatz von Reserveantibiotika in der Veterinärmedizin. Laut einem Bericht auf PTAheute.de soll sich diese Beschränkung möglicherweise aber gar nicht auf die Haustiere beziehen. Mit gutem Grund sicherlich, denn von diesen Behandlungen geht wohl kaum die größte Gefahr für die Entwicklung von Resistenzen aus. Laut diesem Artikel sagt die Professorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Fachtierärztin für Pharmakologie und Toxikologie Franziska Richter Assencio sogar:

„Es gibt die klare wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Anwendung von antimikrobiellen Wirkstoffen – also Antibiotika – in der Tiermedizin nicht für die Therapienotstände bei den Intensivpatienten in der Humanmedizin verantwortlich sind.“

So oder so wird die Entwicklung der Antibiotika-Resistenzen nicht von den Tieren, sondern von den Menschen verursacht. Unsere Haustiere dafür verantwortlich zu machen ist schon ganz schön weit hergeholt. Abgesehen davon stehe ich dem Umgang mit Antibiotika in der (Veterinär)medizin sowieso eher kritisch gegenüber, wie ich HIER schon einmal erläutert habe. Antibiotika sind ein Notfallmedikament und keine Gummibärchen.

Kommen wir zum letzten Punkt …

Katzen sind Vögelkiller?

Also Katzen sind ja eigentlich hier nicht mein Thema. Trotzdem möchte ich zu dieser Aussage etwas sagen: Ich finde die Arroganz in dieser Aussage unfassbar!! Die Menschen zerstören mit ihrer Gier die Natur in größtem Ausmaß. In Brasilien wurde in den Jahren 2000-2009 laut Pro Regenwald eine Fläche von über 160.000 km² des Regenwaldes abgeholzt. An erster Stelle für die Fleischproduktion. Unser Fleischkonsum zerstört den Lebensraum vieler dort lebender Arten, u. a. natürlich auch den von Vögeln. In jedem Quadratkilometer der Meere schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll, der von uns Menschen verursacht wurde und kosten unzählige Seevögel, Schildkröten, Quallen und Fische das Leben. Und – nebenbei erwähnt – wenn wir diese Meerestiere dann verzehren, vergiften wir uns noch dazu selber.

Wir zerstören die Natur geradezu mutwillig. Wir nehmen unzähligen anderen Bewohnern dieser Erde, die ein mindestens genauso gutes Recht haben, hier zu sein, ihren Lebensraum. Wir machen aus immer mehr Teilen der Erde Betonwüsten und nehmen logischerweise anderen Lebewesen diesen Platz weg. Und dann beschwert sich ernsthaft jemand darüber, dass Katzen eventuell Vögel fressen? Auch wenn ich es wirklich extrem anmaßend finde, so einen Gedanken überhaupt zu haben, möchte ich trotzdem ganz sachlich noch auf diesen Beitrag vom Nabu verweisen. Daraus geht hervor, dass Hauskatzen in Deutschland nicht die Vogelpopulation bedrohen.

Fazit

Wer darüber schreibt, dass wir Menschen keine Haustiere mehr halten sollten, um das Klima zu schützen, hat in meinen Augen den Schuss nicht gehört. Es gibt in der heutigen Zeit sogar ganz viele Warnschüsse, die anzeigen, dass es mit dem Menschen und der Erde inklusive seiner vielen Mitgeschöpfe so nicht weitergehen kann. Die “Ausrottung” der Haustiere gehört aber ganz sicher nicht zu den Lösungen für all die schlimmen Probleme. Da dürfte man sich vielleicht noch eher die Frage stellen, ob es für die Erde und all die anderen Bewohner (die uns by the way an der Zahl wohl deutlich überragen) nicht besser wäre, die Menschen auszurotten.

Die Welt (bzw. die Menschen, die sie bewohnen) würde gut daran tun, ihren seit Jahrzehnten gewählten Kurs zu überdenken. So wie es ist, kann es natürlich nicht weitergehen. Unsere Haustiere sind eine der letzten Verbindungen zur Natur und wir tun gut daran, diese nicht auch noch zu verlieren. Wir sollten sie ehren, nicht abschaffen.

Ich persönlich halte es mit Heinz Rühmann, der gesagt hat:

“Natürlich kann man ohne Hund leben – es lohnt sich nur nicht.”

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8 Kommentare

  1. Einfach nur unglaublich, was für Ideen da über den BR verbreitet werden. Ich kann wirklich nur den Kopf schütteln über so viel Unwissen und Absurdität. Danke für deinen Artikel, liebe Anke. Ich freue mich immer wieder, deine Blogbeiträge zu lesen.

  2. Liebe Anke,

    danke für Deine immer so treffenden Artikel und die Mühe, die Du Dir machst. Die Menschen drehen immer mehr am Rad. Da gebe ich Dir absolut recht. Und unsere Tiere erden uns wenigstens noch ein bißchen. Ich glaube, manche übertreiben es wirklich mit der Ernährung und die Futtermittelindustrie tut ihr Übriges dazu (Getreidefrei, Ganz viel Fleisch, etc…) Alles wird verteufelt und wir werden wirklich überall für dumm verkauft. Unser Wuffi will eh am Liebsten das, was wir auf dem Tisch haben und wenn es dann auch passt, kriegt er auch was ab;-) Neulich wollte er sogar etwas vom Frühstücksporridge und hat es ratzeputz aufgeschlabbert und wunderbar vertragen…wir stellen sogar fest, dass ihm zu viel Fleisch und tierisches Fett eher nicht so gut bekommt…in diesem Sinne mach bitte weiter so mit Deiner Aufklärung. Ich hoffe, dass es auch Menschen lesen, die es noch nicht wissen und dann darüber nachdenken…

    Alles Liebe
    Doreen mit Pari

  3. Hallo liebe Doreen,

    ja, meine beiden Hunde fressen ebenfalls ausgesprochen gerne mit, was wir essen 😀 Sie mögen sogar gekochte Kartoffeln pur, gegen einen Happen vom Schnitzel haben sie aber natürlich auch nichts einzuwenden 😀

    Liebe Grüße
    Anke

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