Fahrradfahren mit Hund: Warum du dir das gut überlegen solltest

Seit die Leute nicht mehr wissen, was sie den ganzen Tag tun sollen, ist Fahrradfahren voll im Trend. Auch das Fahrradfahren mit Hund erfreut sich scheinbar immer größerer Beliebtheit. Endlich bekommen viele Hunde so die Auslastung, die sie brauchen. Ist das so?

Sind unsere Hunde nicht ausgelastet?

Letztes Jahr hatte sich unsere Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner überlegt, dass sie den deutschen Hunden gerne mehr Auslauf verordnen würde. Es sollte Gesetz werden, dass Hundehalter ihren Hund mindestens 2 x täglich für je 30 Minuten Gassi führen müssen. Gibt man bei Google „Hund ausgelastet“ ein, kommt eine Fülle von Beiträgen, die darauf aufmerksam machen wollen, dass dem Hund schnell langweilig werden kann, wenn man ihn nicht ausreichend auslastet. Auslastung bedeutet an erster Stelle natürlich Bewegung.

Immer öfter hört man von Hunden, die nicht zur Ruhe kommen können. Sie sind zappelig, nervös und man spricht sogar schon von ADHS beim Hund. Sind das Zeichen von Unterforderung? Sind diese Hunde nicht ausreichend ausgelastet?

Warum Fahrradfahren mit Hund?

Fahrradfahren mit Hund entspringt natürlich der Idee, dem Hund auf diesem Weg mehr Bewegung zu verschaffen. Der Mensch schafft eine viel weitere Strecke in kürzerer Zeit und der Hund muss mitlaufen. Läuft er ohne Leine mit, kann er zumindest ab und zu an der ein oder anderen Stelle schnüffeln. Ist er am Fahrrad angeleint, muss er mitlaufen, ob er will oder nicht. „Zeitunglesen“ ist dann nicht möglich.

Natürlich ist das nicht natürlich!

Egal ob angeleint oder nicht, der Hund folgt dem Fahrrad, bzw. seinem Mensch. Er rennt. Aber ist so ein permanentes Rennen wirklich die natürliche Bewegungsform eines Hundes? Ok, ein Windhund ist darauf gezüchtet zu rennen, bzw. zu sprinten. Auch Schlittenhunde müssen lange Strecken am Stück rennen. Aber sonst? Wann rennt ein Hund? Genau, wenn er jagt oder treibt.

Gerne wird über den in Mode gekommenen Australian Shepherd berichtet. Dieser wäre als Hütehund nur sehr schwer auszulasten. Da ist das Fahrradfahren mit Hund natürlich die optimale Beschäftigung. Wenn er schon nicht die Schafe rennend hüten kann, soll er wenigstens dem Fahrrad hinterherrennen. Das tut ihm sicherlich gut. Ist das so?

Solche Hunde werden oft von klein auf darauf getrimmt, sich um Gottes Willen nicht zu langweilen. Nicht selten haben sie einen Terminkalender, der an den eines Grundschulkindes von besonders ambitionierten Eltern erinnert. Und die Hundehalter klagen: Der ist einfach nicht müde zu kriegen. Also am Abend nach Agility, Ballwerfen und Suchspielen noch schnell Fahrradfahren mit Hund.

In der Ruhe liegt eigentlich die Kraft!

In seinem Buch Hoffnung auf Freundschaft beschreibt Michael Grewe sehr gut, warum es häufig gar nicht um Unter- sondern um Überforderung geht. Die Hunde sind nicht unruhig, weil sie mehr Auslastung benötigen, sondern weil sie gar nicht lernen durften, wie man zur Ruhe kommt.

Klar, die Hundehalter meinen es gut. Sie wollen nur das Beste für ihr Familienmitglied Hund. Und weil der Hund keine Schafe hüten kann, muss man ihm eben eine Alternative bieten. Gerne darf man sich an dieser Stelle natürlich die Frage stellen, warum sich jemand einen Hütehund anschafft, wenn er keine Schafe hat …

Das ist überhaupt eine sehr wichtige Frage. Ursprünglich hatten Hunde fast immer einen Job wie z. B. Schafe hüten, den Hof bewachen oder einen Schlitten ziehen. Heute sind sie vorrangig Gesellschafter und Familienmitglied. Eher Luxus als Notwendigkeit. Warum werden Hunde gehalten, die ihren angzüchteten Eigenschaften nicht mehr entsprechen können, da es die Notwendigkeit nicht mehr gibt? Sicher nicht selten, weil die Auswahl des Hundes an erster Stelle über die Optik erfolgt. Dabei wäre es mehr als sinnvoll, einen Hund mehr nach seinen Eigenschaften und ob diese zum eigenen Leben passen, auszuwählen. Aber darüber wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden, es geht ja um das Fahrradfahren mit Hund …

Würden Straßenhunde gerne am Fahrrad mitlaufen?

Hier bei uns gibt es keine Straßenhunde, trotzdem bestreiten diese den größten Teil der Hundepopulation weltweit. Sicher hast du auf Reisen in südlichen Ländern auch schon den ein oder anderen getroffen. Hast du gesehen, dass diese Hunde durch die Gegend sprinten? Nicht? Das könnte daran liegen, dass das durch die Gegend sprinten außerhalb von Jagd und Co eher nicht zum natürlichen Bewegungsmuster gehört.

Hunde sind genetisch bedingt nämlich Meister im sparen von Energie und die Straßenhunde haben das perfektioniert. Sie müssen das auch. Jede Bewegung, die nicht sein muss, ist Energieverschwendung. Mit Energie muss man aber haushalten, wenn man nicht im Überfluss lebt. Deshalb wirst du selten sehen, dass Straßenhunde durch die Gegend sprinten. Eher erkennt man sie daran, dass sie entspannt und gemütlich durch die Gegend traben.

Das entspricht viel eher dem natürlichen Bewegungsmuster von Hunden. Ein gemütlicher Trab, bei dem man hier und da stehenbleibt, Zeitung liest (oder natürlich nach Futter schnüffelt) und dann weiter zur nächsten interessanten Stelle trabt.

Beim Fahrradfahren mit Hund kann dieser weder seinem natürlich Bewegungsrythmus folgen, noch kann er viel Zeit damit verbringen, die Neuigkeiten des Tages zu erschnüffeln. Er muss entweder die ganze Zeit an der Leine mitlaufen oder er muss stets aufpassen, dass er den Anschluss nicht verliert. Das ist aber nicht alles, denn …

Du belästigst andere beim Fahrradfahren mit Hund!

Ja, das ist ein Punkt, den viele gar nicht auf dem Schirm haben. Überhaupt ist mein Eindruck, dass Rücksicht auf andere bei einer Menge Hundehalter immer weniger eine Rolle spielt.

Wir haben hier in Deutschland mittlerweile nicht wenige Hunde, die aus dem Ausland kommen. Diese Hunde haben nicht selten eine eher schlechte Sozialisierung erfahren, was mitunter damit einhergeht, dass sich der Kontakt mit fremden Hunden schwierig gestaltet. Das ist nur ein Beispiel von vielen, weshalb Hundehalter es bevorzugen könnten, Begegnungen mit fremden Hunden zu meiden. Mit einer entsprechenden Voraussicht und Management lässt sich das aber eigentlich relativ einfach umsetzen.

So ein Management funktioniert jedoch nicht mehr, wenn plötzlich von hinten ein Fahrradfahrer angesprintet kommt, der einen Hund hinter sich herzieht. Kaum ein Hundehalter kann so schnell reagieren wie Fahrrad und Hund bei ihm angekommen sind. Selbst wenn der Hund angeleint ist, kann man manchmal gar nicht so schnell ausweichen, wie es nötig wäre (der Hund mit „Fremdenhass“ wird i. d. R. mehr Abstand benötigen als dieses auf die Seite hechten).

Ich habe einen solchen Hund und es ist mir nicht nur einmal passiert, dass mich solche Fahrrad-Hund-Gespanne in die Bredouille gebracht haben. Es war mir dann nicht mehr möglich, Lucies für sie wichtigen Individualabstand einzuhalten.

Was ist los mit den Leuten?

Mein Mann hat kürzlich eine besonders befremdlich anmutende Situation erlebt. Er ging mit unseren beiden Hunden einen Waldweg entlang und drehte sich immer mal wieder um (man lernt ja aus seinen Erfahrungen). Plötzlich kam von hinten ein Fahrrad mit Hund angedüst. Hektisch versuchte mein Mann noch ganz schnell, den kleinen Hund anzuleinen und den großen auf die Seite zu ziehen. Der große Hund hatte den Hund, der auf ihn zuraste jedoch ebenfalls entdeckt und machte einen aufgeregten Satz in dessen Richtung, mit dem mein Mann nicht gerechnet hatte. Mein Mann stürzte zu Boden und konnte den großen Hund geradeso eben noch halten. Der Fahrradfahrer indes fuhr mit seinem Hund an dem am Boden liegenden Mann mit den zwei Hunden einfach vorbei und fragte nicht einmal, ob dieser sich vielleicht verletzt hätte. Unfassbar!!

Kontrolle Fehlanzeige!

Noch ein Beispiel für mangelnde Weitsicht und Rücksicht: Ich gehe entlang einer großen Wiese einen sehr abschüssigen Weg runter. Von hinten nähert sich in rasantem Tempo eine Frau auf einem Fahrrad. Da ich sie rechtzeitig gesehen habe (weil ich mich ja erfahrungsgemäß immer mal wieder umschaue – nein, sie hat nicht geklingelt) kann ich mit den beiden Hunden noch just in time auf die Wiese ausweichen. „Na gut“, denke ich und gehe zurück auf den Weg. Dann – gefühlt 5 km hinter der Frau – kommt mit fliegenden Ohren ein kleiner Hund hinterhergesprintet, der offensichtlich zu der Frau auf dem Fahrrad gehört. Ich also ganz schnell wieder auf die Wiese, der Hund rennt an uns vorbei und interessiert sich zum Glück nicht für uns. Wäre ich nicht so schnell ausgewichen und mein großer Hund hätte den kleinen Hund mal eben zum Frühstück verspeist, die Frau hätte es nicht einmal gemerkt. Junge, Junge!

Fahrradfahren ohne Hund kann ebenfalls ziemlich doof sein

Ich will aber nicht nur über das Fahrradfahren mit Hund meckern. Auch die Fahrradfahrer ohne Hund vergessen gerne mal, dass sie nicht alleine sind auf der Welt. Ein Beispiel: Eines schönen Tages ging ich mit meinen beiden Hunden, die in diesem Fall beide an der Leine waren, einen recht breiten Waldweg entlang. Da ich weiß (ja, wieder einmal die Erfahrung), dass viele Fahrradfahrer nicht auf die Idee kommen, für Hunde abzubremsen, geschweige denn zu klingeln, gehe ich meist in der Mitte des Weges damit sie wenigstens für mich bremsen müssen. Diesmal kam ich nicht dazu, mich umzudrehen und der Fahrradfahrer wollte  ungebremst und ohne sich bemerkbar gemacht zu haben an uns vorbei düsen.

Dazu kam er aber nicht. Denn – mein kleiner Hund (der nicht mehr gut hört, weil alt) bekam einen Heidenschreck, als der Fahrradfahrer plötzlich auf unserer Höhe war und machte einen Satz auf diesen zu. Der Fahrradfahrer wiederum erschrak ebenfalls, machte ein Ausweichmanöver und landete im Staub. Und dann? Anstatt sich zu entschuldigen, dass er ja schließlich beinahe meinen Hund überfahren hat, fing er an, mich zu beschimpfen. „Hey Biker, der Wald gehört nicht DIR!!“.

Also liebe Fahrradfahrer mit Hund und ohne Hund: Bitte (!!) nehmt Rücksicht auf die anderen Naturbesucher. Und zwar egal ob diese einen Hund haben oder nicht. Wenn ihr euch von hinten annähert, fahrt langsam und macht euch bemerkbar. Wenn ihr einen Hund dabei habt, haltet an, steigt ab und lasst anderen die Zeit, euch aus dem Weg zu gehen. Und ja, es gibt auch Menschen, die vor Hunden Angst haben und es nicht begrüßen, wenn von hinten ein Hund auf sie zu jagt.

Fazit

Selbstverständlich ist die Welt nicht schwarz und nicht weiß. Und natürlich kann Fahrradfahren mit Hund durchaus mal ok sein. Aber nur, wenn man die wirklichen Bedürfnisse seines Hundes auf dem Schirm hat und wenn man entsprechend Rücksicht walten lässt. Für einen Großteil der Hunde ist es aber viel artgerechter und durchaus auch auslastend, wenn sie einen entspannten Waldspaziergang genießen dürfen, in ihrem eigenen Tempo mit ausreichend Gelegenheit, die Gegend zu checken (also das berühmte Zeitung lesen). Und immer daran denken: In der Ruhe liegt (auch für den Hund) die Kraft!

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Über Anke Jobi 87 Artikel
Anke Jobi, 1967 geboren, wohnt im oberbergischen Land in der Nähe von Köln. Sie ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Buchautorin (Clean Feeding) und schreibt als freie Autorin für diverse Printmagazine.

4 Kommentare

  1. Hallo Anke, ich fahre mit meinem Hund (Ridgeback) auch ca. 2 Mal wöchentlich mit dem Fahrrad. Allerdings in gemütlichem Trab und mit Pausen, an denen ich absteige und schiebe während mein Hund etwas verschnaufen schnüffeln und sich lösen darf. Was für mich außerdem selbstverständlich ist, daß mein Hund am Geschirr geführt wird. Deine Erfahrungen mit rücksichtslosen Fahrradfahrer kann ich bestätigen. Allerdings kenne ich auch, daß mein Hund beim am Rad laufen von anderen (frei laufenden oder an Flexileinen geführten) Hunden angegangen wurde und ich drohte zu stürzen. Die Osteopathin meines Hundes hatte übrigens empfohlen mit ihm zu joggen oder zu fahren. Liebe Grüße Stefanie

  2. Hallo liebe Stefanie,

    ja, ich hab ja extra geschrieben, es kann auch mal ok sein. Und so wie du es machst, finde ich es auch sehr akzeptabel (also mit Pausen und so). Trotzdem denke ich, für die meisten Hunde ist es eher nicht „das Gelbe vom Ei“. Hab gerade auch noch einen interessanten Beitrag von Dr. Ganslosser dazu gesehen. Er hat etwas ähnliches gesagt wie ich hier und dass man sich bei den Straßenhunden gut abgucken kann, wie Hunde sich natürlicherweise bewegen …

    Liebe Grüße
    Anke

  3. Also ich und mein RS fahren gerne ab und zu Rad. Ich fahr Rad und er trabt. Wir fahren so um die 10 km/h.
    Wir fahren auf Forststraßen. Dort trifft man kaum jemand. Teils läuft er frei, teils an der Flexi.
    Er läuft voraus und bestimmt das Tempo. Wenn er schnüffelt usw wird angehalten. Wir fahren neben Bächen und im Wald. Manchmal überkommt es ihn und er galoppiert mit mehr als 25 km/h. Da hab ich zu tun, dass ich mitkomme. Altes echtes MB.
    Weiters wird auf die Temperatur geachtet. Bei Hitze wird nicht geradelt. Da wird gebadet im Bergsee.
    Distanzen sind so zwischen 7 und 12 km.
    Mit ein wenig Hausverstand haben beide ihren Spaß und andere Leute werden nicht belästigt.

    • Hallo lieber Max,

      ein Problem wie ich schon geschrieben habe, ist ja, dass man als Fußgänger mit Hund keine echte Chance hat, in Distanz zu gehen. Wenn ein Fahrradfahrer mit Hund in hohem Tempo von vorne oder von hinten angefahren kommt, habe ich keine Zeit (und vielleicht auch keine Möglichkeit, je nach Gelände) so schnell den Weg zu verlassen und den für Lucy nötigen Abstand einzunehmen. Zumal ich ja noch einen zweiten Hund habe, den ich noch einsammeln muss. Das kann dann schon mal sehr stressig für mich werden. Ich bin übrigens auch immer auf Forstwegen und Wald und Wiesen unterwegs. Wir wohnen hier ja sogar auf dem Land, trotzdem hab ich die oben beschriebenen Situationen hier erlebt 😀

      Liebe Grüße
      Anke

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