Der Hund und Gemüse – was du darüber wissen solltest!

Hundeernährung ist ja, wenn man so manchen Informationen Glauben schenkt, eine hochkomplizierte Angelegenheit. Zum Beispiel Gemüse. Es heißt, der Hund könne dieses (wie auch andere pflanzliche Nahrungsmittel) gar nicht verwerten. Deshalb müsste man das Gemüse für ihn ganz fein pürieren, ungefähr so wie einen Babybrei.

Manches Gemüse wäre auch giftig für ihn. Deshalb wäre größte Vorsicht geboten, wenn man den Napf mit pflanzlicher Vielfalt füllen möchte, damit der Hund die nächste Mahlzeit überlebt.

Da fragt man sich, wie in Gottes Namen hat der Hund bloß all die tausende Jahre überlebt, als die Menschen noch keine Küchenmaschine hatten, um dem Hund sein Gemüse zu zermatschen? Und wie viele Hunde sind tot umgefallen, weil in ihrem Napf eine Tomate gelandet ist?

Ok, die Tomate gibt es ja noch gar nicht so lange, zumindest hier bei uns im europäischen Raum nicht. Sie stammt nämlich aus Amerika und kam erst im 16. Jahrhundert, also vor nicht einmal 500 Jahren über den großen Teich.

Wieso sollen Tomaten denn giftig sein für den Hund?

Tomaten zählen, ebenso wie Paprika, Auberginen und Kartoffeln, zu den Nachtschattengewächsen. Diese enthalten Solanin, ein Saponin, das den Pflanzen als Defensivstoff gegen Feinde wie Insekten oder auch Pilzbefall dient. Solanin ist eine schwach giftige Verbindung, und zwar nicht nur für den Hund, sondern grundsätzlich. Grundsätzlich!!

Eine Solaninvergiftung durch Kartoffeln kam früher sogar relativ häufig vor. Es ist eine große Herausforderung, Kartoffeln zu züchten, die einerseits nicht giftig sind, sich andererseits jedoch gegen Fraßfeinde wehren können. Heute enthalten die herkömmlichen Kartoffelsorten so wie z. B. auch Paprika deutlich weniger Solanin und können relativ unbedenklich konsumiert werden. Allerdings kann der Solaningehalt vor allem in Kartoffeln durch eine unsachgemäße Lagerung wieder ansteigen.

Grundsätzlich wird der Solaningehalt beim Reifungsprozess abgebaut. Aus diesem Grund enthalten reife, rote Tomaten viel weniger Solanin als grüne, unreife. Allerdings gibt es auch Tomatensorten, die ihre grüne Farbe bei der Reifung nicht verlieren. Diese enthalten dann ebenfalls nur noch wenig Solanin. Grüne, unreife Tomaten jedoch können für Kinder regelrecht gefährlich sein.

Auch Erhitzung hilft nicht wirklich gegen das giftige Solanin, denn Solanin ist hitzebeständig. Allerdings ist Solanin andererseits wasserlöslich, wodurch es sich beim Kochen in Wasser zumindest teilweise ablöst und ins Kochwasser übergeht.

Auberginen enthalten im Gegensatz zu Kartoffeln, Paprika und Tomaten relativ viel Solanin und sollten daher nicht allzu häufig verzehrt werden.

Fazit: Hunde dürfen reife Tomaten, Paprika und Kartoffeln fressen!

Wer den Napf des Hundes mit gesunden pflanzlichen Nahrungsmitteln füllen möchte, muss sich auch bei Tomaten, Paprika und Kartoffeln keine Sorgen machen. Ein bisschen Nahrungsmittelkunde schadet da natürlich nicht: man sollte wissen, dass die Tomaten gut reif sein sollten und die Kartoffeln kühl und dunkel zu lagern sind. Grüne Stellen sowie auch die Keimlinge (weiße Ästchen, die sich bei der Lagerung bilden), sollten großzügig entfernt werden (bzw. wenn diese lang und viele sind, sollten die Kartoffeln entsorgt werden!). Das gilt für Mensch und Hund!

Aber wozu Gemüse, wenn der Hund das gar nicht verwerten kann?

„Gemüse ist für Hunde überflüssig, weil sie es eh nicht verwerten können!“. … Schon mal gehört?

Der Verdauungstrakt des Hundes soll ja einigen Theorien zufolge auf tierische Nahrungsmittel eingeschossen sein (manche sagen gar, der Hund wäre ein Fleischfresser), daher wäre es eine Zumutung (oder gar tierschutzrelevant), ihn mit pflanzlichen Nahrungsmitteln zu belästigen.

Gut nur, dass unsere Vorfahren in den letzten rund 10.000 Jahren kein Internet hatten und nicht mit all diesen verunsichernden „Informationen“ konfrontiert wurden. Wohlmöglich hätten sie diese komplizierte Spezies Hund in die Wüste geschickt und der Hund wäre niemals zum treuesten und engsten Begleiter des Menschen geworden.

Die Sache mit der Zellulose

Zellulose ist ein Polysaccharid (Vielfachzucker) und der Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände. Um an die Nährstoffe in pflanzlichen Nahrungsmitteln zu gelangen, muss die Zellulose erst einmal aufgeknackt werden.

Amylase ist ein Verdauungsenzym, das Stärke (ebenfalls ein Polysaccharid) aufspalten kann. Wir Menschen und auch unsere Hunde bilden Amylase in der Bauchspeicheldrüse und können Stärke daher aufspalten. Fast alle Tiere (dazu zählen auch Menschen!!) bilden keine Enzyme, die Zellulose aufspalten können. Selbst Pflanzenfresser wie z. B. Kühe können Zellulose nur mithilfe von Mikroorganismen, die in ihrem Darm leben, aufspalten, um daraus Energie zu gewinnen.

Auch Menschen sowie wohl auch die Hunde können zwar einen kleinen Teil der Zellulose im Darm ebenfalls mithilfe von Mikroorganismen verwerten. Damit die Nährstoffe in pflanzlichen Nahrungsmitteln verfügbar gemacht werden, muss die Zellulose jedoch entweder mechanisch oder per Erhitzung aufgespalten werden.

Der Unterschied zwischen Mensch und Hund ist, dass der Hund ein Schlingfresser ist. Das heißt, während wir eine Möhre i. d. R. ausgiebig kauen, bevor wir schlucken, schluckt der Hund relativ große Stücke einfach runter (schnell Platz schaffen für mehr), weshalb diese mechanische Zerkleinerung beim Hund nicht gut funktioniert. Hier darf also gerne mal der Mixer zum Einsatz kommen, der das Gemüse schreddert oder püriert.

Noch besser funktioniert die Aufspaltung durch Erhitzung. In Untersuchungen hat man z. B. herausgefunden, dass das meiste Vitamin A (hitzestabil) aus einer Möhre aufgenommen werden kann, wenn diese nach der groben Zerkleinerung erhitzt wird.

Da manche Vitamine jedoch hitzelabil sind, also durch die Hitze zumindest teilweise verlorengehen, ist die Erhitzung ebenfalls nicht die endgültige Lösung.

Abwechslung ist Trumpf!

Die beste Variante – und das wieder einmal sowohl für den Menschen als auch den Hund – ist die Abwechslung. Verschiedene Gemüsesorten, optimal abgewechselt durch eine an die Jahreszeiten angepasste, saisonale Ernährung, mal roh (dann für den Hund zumindest geschreddert oder auch mal püriert), mal gekocht. Damit kann man im Allgemeinen nicht viel falsch machen.

Wenn man dann noch viele Bio-Nahrungsmittel füttert, verzichtet man weitgehend auf Schadstoffe, wie z. B. Spritzmittel. Dazu ein gemäßigter Anteil tierischer Nahrungsmittel, am besten aus einer artgerechten Tierhaltung und der Hund wird mit vielen guten Nährstoffen versorgt.

Wenn du nun wissen möchtest, wie es mit Getreide und ähnlichem im Futternapf deines Hundes ausschaut, kannst du HIER weiterlesen, wie krank Getreide deinen Hund wirklich macht und weshalb du auch damit, entgegen vieler Unkenrufe, sehr entspannt umgehen kannst.

Möchtest du lernen, wie Hundeernährung geht?

Hinweis zum Teilen der Beiträge

Das Teilen meiner Artikel auf sozialen Medien wie z. B. Facebook sowie auch das Verlinken zu meinen Artikeln ist jederzeit erlaubt, ohne dass dafür meine Genehmigung eingeholt werden muss. Vervielfältigungen oder Nachveröffentlichungen z.B. auf anderen Internetseiten oder auch in gedruckter Form dürfen nur mit meiner schriftlichen Genehmigung erfolgen.

Hinweis zu den Texten

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen?

Die Kommentare auf dieser Seite werden moderiert und müssen von mir zur Veröffentlichung freigeschaltet werden. Die Freischaltung erfolgt i. d. R innerhalb von 24 Stunden. Bitte sei freundlich, auch wenn du Kritik äußern möchtest. Ich freue mich auf deine Meinung!
Über Anke Jobi 79 Artikel
Anke Jobi, 1967 geboren, wohnt im oberbergischen Land in der Nähe von Köln. Sie ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Buchautorin (Clean Feeding) und schreibt als freie Autorin für diverse Printmagazine.

2 Kommentare

  1. Wunderbare Photos und so bestechend logisch, nüchtern und gleichzeitig humorvoll geschrieben und beschrieben, welchen Wahnsinn wir mit der Ernährung unserer Hunde treiben… Danke!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*