Futter als Belohnung beim Hund – warum ich davon nicht so viel halte

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Futter als Belohnung, um einem Hund etwas beizubringen, ist für die meisten Hundehalter ganz selbstverständlich. Die Methode fällt unter die positive Bestärkung: Ein gewünschtes Verhalten wird belohnt und dadurch gefestigt.

Da Hunde in der Regel sehr gerne fressen, scheint Futter dafür ein naheliegendes und wirkungsvolles „Werkzeug“ zu sein.

Futter als Belohnung - wie sinnvoll ist das?

Kaum jemand macht sich jedoch Gedanken darüber, ob die ständige oder zumindest sehr häufige Gabe von Leckerchen und Co. möglicherweise auch negative Folgen haben kann.

Es gibt durchaus Diskussionen darüber, ob es überhaupt Erziehung ist, wenn man einen Hund mit Futter konditioniert. Ich persönlich sehe das ebenfalls eher kritisch und arbeite lieber mit Körpersprache und direkter Kommunikation. Das soll hier aber gar nicht das Thema sein.

In diesem Artikel möchte ich dir vielmehr ein paar andere Perspektiven zeigen, aus denen heraus es möglicherweise nicht immer so positiv ist, einen Hund mit Futter positiv zu bestärken.

Ein Leckerchen ist nicht einfach nur eine Belohnung …

Zu viele Leckerchen begünstigen Übergewicht

Futter, das als Belohnung eingesetzt wird, ist in der Regel zusätzliches Futter zum eigentlichen Hauptfutter. Im Laufe eines Tages können dabei schnell erstaunlich viele kleine Happen zusammenkommen.

Das Problem dabei ist, dass viele Hundehalter häufig unterschätzen, wie viel zusätzliche Energie ihr Hund über die Leckerchen aufnimmt.

Futter als Belohung kann dick machen

Ein Hund wird nicht von heute auf morgen zu dick. Er nimmt nur langsam zu – ein paar Gramm hier, ein paar Gramm da. Über längere Zeit können daraus aber einige Kilo zu viel werden. Übergewicht ist auch beim Hund KEIN Schönheitsproblem, sondern begünstigt eine ganze Reihe von Erkrankungen.

Fehlende Regenerationsphasen

Pausen zwischen den Fressphasen haben durchaus Sinn: Diese Zeit benötigt der Verdauungstrakt für Aufbau-, Abbau- und Regenerationsprozesse. Bekommt der Hund immer wieder kleine Mengen Futter, werden die Verdauungsvorgänge entsprechend immer wieder angestoßen und es bleibt kaum Zeit für diese „Erholung“.

Futter als Belohnung beeinflusst den Stoffwechsel

Der Hund frisst und im Körper – vor allem im Darm – starten eine ganze Reihe Vorgänge, um die enthaltenen Nährstoffe aufzunehmen und zu verwerten. Die Bauchspeicheldrüse ist sowohl für die Verdauung als auch für die Regulation des Blutzuckers von Bedeutung. Sie produziert unter anderem Verdauungsenzyme und Insulin.

Jede Nahrungsaufnahme – besonders wenn Kohlenhydrate enthalten sind – lässt den Blutzuckerspiegel steigen und führt zu einer Insulinausschüttung. Fehlen Pausen zwischen der Nahrungsaufnahme, kann sich das ungünstig auf die Regulation des Blutzuckers auswirken.

Auch Hunde können an Diabetes mellitus erkranken. Bei Diabetes ist die Regulation des Blutzuckers gestört, sodass es zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten kommen kann.

Jeder Griff zum Leckerlie-Beutel erzeugt Erwartung

Beim Training wird ein Verhalten mit einer Futtergabe verknüpft. Je häufiger eine solche Verbindung hergestellt wird, desto stärker kann jedoch auch die Erwartung werden. Der Hund sieht seinen Menschen und beobachtet vielleicht schon, ob dieser nach dem Leckerlibeutel greift.

Er hört ein bestimmtes Signal und rechnet mit Futter. Er zeigt ein Verhalten und wartet anschließend auf seine Belohnung.

Futter als Belohnung regt die Verdauungssäfte an

Wie Pawlow bereits gezeigt hat, kann allein die Erwartung von Futter bei Hunden Verdauungsvorgänge anstoßen. Unter anderem kann die Magensäuresekretion angeregt werden, obwohl noch gar keine Nahrung im Magen angekommen ist.

Es ist daher durchaus denkbar, dass eine sehr häufige Futtererwartung bei manchen Hunden zu Magenbeschwerden beitragen kann, wie sie häufig mit einer sogenannten „Übersäuerung“ in Verbindung gebracht werden.

Es kann aber auch einfach bedeuten, dass der Hund unruhig, vielleicht sogar regelrecht gestresst ist und nicht abschalten kann.

Futter als Belohnung und die Fettverbrennung

Ein weiterer Aspekt betrifft den Energiestoffwechsel. Nach einer Mahlzeit steigt, wie wir weiter oben schon als Thema hatten, der Blutzuckerspiegel an und regt die Insulinausschüttung an. Insulin unterstützt die Aufnahme und Speicherung der aufgenommenen Nährstoffe, hemmt aber gleichzeitig die Freisetzung von Fett aus den körpereigenen Fettdepots. Solange Insulin wirkt, wird also weniger gespeichertes Körperfett mobilisiert.

Vor allem, wenn der Hund bereits übergewichtig ist, bringt jedes Leckerchen zwischendurch deshalb nicht nur zusätzliche Kalorien in die Energiebilanz. Es setzt auch erneut eine Stoffwechselreaktion in Gang und kann die Fettverbrennung vorübergehend bremsen. Für einen Hund, der Gewicht verlieren soll, sind häufige kleine Futtergaben daher gleich aus mehreren Gründen ungünstig.

Und was ist mit der Autophagie?

Unter Autophagie versteht man einen natürlichen „Recyclingprozess“ der Zellen. Dabei werden alte, beschädigte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile abgebaut und die dabei entstehenden Bestandteile teilweise wiederverwendet. Die Autophagie wird unter anderem durch die Verfügbarkeit von Nährstoffen beeinflusst und kann während längerer Nahrungspausen stärker aktiviert werden. Deshalb wird sie häufig im Zusammenhang mit Fasten und Nahrungspausen diskutiert.

Beim Hund ist dieser Zusammenhang bisher kaum untersucht. Wir wissen also nicht, ob und in welchem Ausmaß häufige kleine Futtergaben die Autophagie beim Hund beeinflussen. Aber warum sollte dieser grundlegende Zellprozess beim Hund völlig anders funktionieren als bei anderen Säugetieren?

Stärkt Futter als Belohnung die Bindung zwischen Hund und Halter?

Gemeinsames Training kann selbstverständlich die Beziehung zwischen Mensch und Hund fördern. Der Hund lernt, sich an seinem Menschen zu orientieren, und der Mensch lernt, die Signale seines Hundes besser zu verstehen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Futterbelohnung selbst die Bindung stärkt.

Eine gute Mensch-Hund-Beziehung besteht aus vielen verschiedenen Faktoren: Verlässlichkeit, verständlicher Kommunikation, Orientierung, Vertrauen, gemeinsamen Aktivitäten und die angemessenen Berücksichtigung der Bedürfnisse des Hundes.

Futter kann dabei durchaus eine Rolle spielen. Es ist aber nicht zwingend notwendig, um eine gute Beziehung aufzubauen.

Futter ist lediglich eine mögliche Form der Belohnung von vielen Möglichkeiten.

Ein Hund kann die Zusammenarbeit mit seinem Menschen auch deshalb als positiv erleben, weil er Aufmerksamkeit bekommt, gemeinsam mit ihm spielt, etwas erkunden darf, sich frei bewegen kann oder einfach Zeit mit seinem Menschen verbringt.

Fazit

Ein Leckerchen ist zwar klein, wird es aber über den ganzen Tag hinweg immer wieder eingesetzt, summieren sich nicht nur die Kalorien. Es entstehen auch immer neue Nahrungs- und Verdauungsreize und immer wieder Situationen, in denen der Hund Futter erwarten kann.

Was die langfristigen Auswirkungen einer solchen häufigen Futterzufuhr auf bestimmte Stoffwechselprozesse des gesunden Hundes betrifft, gibt es sicher noch einige offene Fragen. Das bedeutet nicht, dass Futter als Belohnung verboten ist.

Es bedeutet aber auch nicht, dass mehr Futter automatisch mehr Trainingserfolg oder eine bessere Beziehung bedeutet.

Einen Hund mit Futter zu belohnen, ist nicht grundsätzlich schlecht. Vielleicht sollte man nur wieder bewusster damit umgehen und sich fragen, ob wirklich jedes gewünschte Verhalten ein Leckerchen braucht.

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