Welche Nahrungsmittel sind giftig für Hunde?

Immer wieder liest man solche Warnungen: „Diese Nahrungsmittel sind giftig für Hunde!“. Schokolade oder auch Avocados werden gelistet unter gefährliche Lebensmittel, die den Hund töten könnten. In diesem Beitrag nehmen wir 10 Nahrungsmittel unter die Lupe, die als gefährlich für den Hund gelten und giftig sein sollen.

„Diese Nahrungsmittel sind giftig für Hunde!“ In dieser Formulierung schwingt er mit: der Tod. Viele Hundehalter denken dann: wenn mein Hund DAS fressen wird, dann war´s das! Dabei stellt man beim genaueren Hinsehen fest, häufig handelt es sich bei den Formulierungen um Effekthascherei. Schlichte Unverträglichkeiten oder sogar individuell mögliche Reaktionen werden mit „giftig“ in einen Topf geworfen. Hundehalter sind ja schließlich auch nur Menschen. Und Menschen mögen Sensationsnachrichten. Doch welche „Sensation“ haben Bittermandeln, Hülsenfrüchte oder auch Weintrauben wirklich zu bieten?

Was ist „giftig“?

Als „giftig“ oder auch „toxisch“ werden eigentlich Stoffe bezeichnet, die dem Organismus ab einer bestimmten Dosis Schaden zufügen können. Die toxische Wirkung, also die Giftigkeit eines Stoffes auf ein Lebewesen hängt entscheidend von der Dauer, der Dosis und Art ihrer Aufnahme ab.

Während die toxische Dosis sich auf die Menge eines Stoffes bezieht, die schädlich sein kann, meint die letale Dosis die Menge, ab der ein Stoff tödlich wirkt. Giftig heißt also nicht unbedingt tödlich.

Unverträglichkeiten oder auch Reaktionen auf schwerer verdauliche Nahrungsmittel können individuell sehr unterschiedlich sein. Die Zubereitungsart kann eine Rolle spielen und das gilt häufig nicht nur für den Hund sondern auch für uns Menschen.

Schauen wir uns also an: Welche Nahrungsmittel sind „giftig“ für Hunde?

Avocados

Avocados fehlen auf kaum einer „Diese Nahrungsmittel sind giftig für Hunde-Liste“. Tatsächlich werden Avocados sogar in Hundefutter verarbeitet. Wie kann das sein, wenn sie doch giftig sind für Hunde?

Avocados enthalten Persin, das für manche Tiere sehr giftig ist, so für Pferde, Sittiche, Kaninchen, Ziegen. Jedoch eher nicht für uns Menschen und auch nicht für unsere Hunde. Zumindest nicht in kleinen Mengen. Problematisch ist für uns Menschen und auch unsere Hunde die enthaltene Menge Persin in den Blättern, der Schale und dem Kern der Frucht. Diese enthalten höhere Mengen Persin, der Gehalt im Fruchtfleisch ist jedoch minimal und für uns Menschen und Hunde unbedenklich. In manchen Ländern werden Avocados auch für Hundefutter verwendet.

Vom Fruchtfleisch darf der Hund also ruhig etwas abbekommen, der Kern wäre für ihn aber nicht nur wegen dem enthaltenen Persin bedenklich. Dieser könnte nebenbei auch einen Darmverschluss verursachen – und das ist WIRKLICH gefährlich! Allerdings weniger, weil die Avocado giftig wäre.

Bittermandeln

Mandeln, oooooohhh, man hört sie sollen hochgefährlich sein – für Hunde. Dabei enthält diese Botschaft durchaus Wahrheit, aber eben nur halb. Es geht einzig und alleine um Bittermandeln – und zwar roh. Und? Hast DU schon mal rohe Bittermandeln gegessen? Nein? Ich verrate dir, woran das liegt: Die sind giftig!! Nicht nur für Hunde, sondern auch für Menschen. Allenfalls zum Backen können sie verwendet werden. Rohe Bittermandeln enthalten Blausäure und sind giftig. Blausäure verflüchtigt sich jedoch durch Erhitzung, daher kann man sie beim Backen einsetzen. Süße Mandeln dagegen – die also, die wir üblicherweise essen – sind auch für Hunde unbedenklich.

Gewürze

Immer wieder liest man, Hunde dürften auch wegen der enthaltenen Gewürze keine Essensreste bekommen. Salz wird gerne besonders hervorgehoben als ausgesprochen schädlich für Hunde. Abgesehen davon, dass Salz Natrium enthält, für das auch Hunde einen Bedarf haben, ist die Toleranz für Salz beim Hund sehr hoch. In Versuchen wurden Mengen bis zu 2,5 g pro kg Körpergewicht gut vertragen. Das heißt, bei einem Hund, der 10 kg wiegt wären das 25 g!! Solche Mengen Salz würde ein Hund nie und nimmer über die Fütterung von Essensresten aufnehmen.

Hunde, die mit Resten gefüttert werden, kommen automatisch mit Gewürzen in Kontakt. Das ist so und war schon immer so, solange der Hund den Menschen begleitet. Küchenübliche Mengen von Gewürzen, sowie auch den üblichen Küchenkräutern sind auch für den Hund völlig in Ordnung!

Natürlich kann es passieren, dass ein Hund auf Essen empfindlich reagiert, das z. B. Chili enthält. Da er eine ausgesprochen empfindliche Nase hat, wird er das aber möglicherweise gar nicht erst fressen. Mein Hund Leo als Beispiel macht um Chilischoten einen Bogen. Ich allerdings ebenfalls. Und auch ich regiere empfindlich, wenn man mir Essen mit Chili unterjubelt. Deshalb würde aber niemand auf die Idee kommen, zu sagen, Menschen dürfen kein Chili essen.

Hülsenfrüchte

Vor Hülsenfrüchten wird gewarnt, weil sie roh ja schließlich  sehr schwer verdaulich sind. Natürlich nicht nur für den Hund, sondern auch für uns Menschen. Außerdem enthalten sie einige Stoffe, die in rohem Zustand schädlich sein können. Linsen, Bohnen, Erbsen und Kichererbsen sind nicht giftig, nur eben schwer verdaulich und müssen daher gekocht werden! Aufgrund der enthaltenen Antinährstoffe in manchen Sorten sollte man sie vor dem Kochen einweichen.

Dafür sind Hülsenfrüchte ausgesprochen reich an Eiweiß und haben eine ähnlich hohe biologische Wertigkeit wie Fleisch, was sie also durchaus interessant macht für eine nachhaltigere Ernährung, auch für den Hund. Zusätzlich enthalten sie – ebenfalls auch für den Hund – einen hohen Anteil sehr gesunder Ballaststoffe. Was wiederum beim nicht daran gewöhnten Verdauungstrakt – bei Mensch und Hund – zu Problemen wie Blähungen führen kann. Sie sind aber weit davon entfernt, gefährlich oder gar giftig zu sein.

Macadamianüsse

Die Macadamianüsse sind eines der wenigen Nahrungsmittel, die beim Hund wohl tatsächlich schädlich sein können. Allerdings nicht tödlich. Sie zählen zu den teuersten Nüssen der Welt und werden alleine schon deshalb nicht so häufig verzehrt. I. d. R. kauft man sie geröstet oder gegrillt. Es gibt auch Sorten, die auch für die Menschen eher nicht genießbar sind.

Macadamianüsse als Nahrungsmittel sind giftig für Hunde, sie führen zu Fieber, Erbrechen, Lähmungserscheinungen v. a. an den Hinterbeinen. Es erfolgt jedoch eine spontane und vollständige Erholung nach 24-48 Stunden. Das auslösende Gift ist unbekannt, die toxische Dosis liegt bei einer Spannbreite zwischen 0,7 und 62 g pro kg/KG. Um welche Art der Macadamianüsse es sich dabei handelt und ob es um rohe Nüsse geht, für welche dies festgestellt wurde, ist nicht bekannt.

Nachtschattengewächse

Zu den Nachtschattengewächsen zählen Paprika, Auberginen, Kartoffeln und Tomaten. Sie enthalten Solanin, eine schwach giftige chemische Verbindung, sowohl für Menschen als auch Hunde. Ab 200 mg können bei Menschen erste Vergiftungserscheinungen auftreten, das entspricht etwa 2,8 kg roher, ungeschälter Kartoffeln. Für Hunde gibt es aktuell keine entsprechenden Werte.

Solanin ist vor allem in den grünen Stellen enthalten und löst sich beim Kochen. Gut reife Paprika und Tomaten stellen jedoch auch für den Hund kein Problem dar. Zudem sind die Solaningehalte vor allem in Paprika heute durch die Züchtung stark minimiert. Grüne Tomaten enthalten meist hohe Gehalte an Solanin und können auch für Kinder gefährlich sein.

Kartoffeln enthalten Stärke, die in rohem Zustand unverdaulich ist. Das gilt nicht nur für Hunde, sondern auch für Menschen. Sie müssen deshalb vor dem Verzehr durchgegart werden, Solanin hin oder her.

Solanin löst sich beim Kochen aus den Nahrungsmitteln und geht so in das Kochwasser über. Daher sollte man das Kochwasser i. d. R. nicht mit verzehren oder füttern. Man kann jedoch trotzdem unbedenklich hin und wieder Suppe essen oder auch füttern, die logischerweise durch enthaltene Kartoffeln auch etwas Solanin enthalten kann.

Schokolade

Auch Schokolade ist eines der wenigen Nahrungsmittel, die für den Hund problematisch sein können. Sie ist stark giftig für Hunde durch das enthaltene Theobromin aus der Kakaopflanze. Je dunkler die Schokolade, desto höher der Anteil Theobromin. Die toxische Dosis beginnt bei 20 mg kg/KG und wird lebensbedrohlich ab 60 mg kg/KG, tödlich bei 100 – 250 mg kg/KG. Der maximale Blutspiegel wird zwei bis vier Stunden nach der Aufnahme erreicht.

Auch beim Menschen kann Theobromin zu Problemen führen. Eine chronisch hohe Aufnahme von ca. 1,5 g/Tag über einen Zeitraum von 10 Tagen verursachte Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und Zittern.

Die Problematik beim Hund soll durch das Fehlen eines bestimmten Enzyms verursacht werden, das für den Abbau von Theobromin sorgen würde. Dunkle Schokolade enthält 3–10 g Theobromin pro kg. Eine Tafel Schokolade von 100 g würde folglich bis zu 1000 mg Theobromin enthalten, was für einen Hund, der 10 kg oder weniger wiegt, schon problematisch werden könnte. Milchschokolade enthält deutlich weniger Theobromin, hier sind es 0,6–4 g pro kg Schokolade. Weiße Schokolade ist unbedenklich, da sie kaum Theobromin enthält, lediglich etwa 9 mg pro kg Schokolade.

Weintrauben und Rosinen

Die Sache mit den Weintrauben und so natürlich auch Rosinen ist nach wie vor nicht wirklich geklärt. Trauben und auch Rosinen, die ja getrocknete Trauben sind, sind für manche Hunde hochgiftig, aber nicht für alle. Die Ursache ist nach wie vor unbekannt, 10-30 g Trauben, bzw. 3 g Rosinen pro kg KG können für manche Hunde giftig sein. Für einen Hund mit 5 kg Gewicht wären das 10-30 Trauben. Meist reagieren diese Hunde mit Erbrechen, Lethargie und Appetitlosigkeit, in schweren Fällen kann es zu Nierenversagen kommen.

Xylit

Xylit, auch bekannt als Birkenzucker, ist für Hunde hochgiftig! Enthalten ist Xylit z. B. in Kuchen, aber auch in vielen Kaugummis, Bonbons oder auch Zahnpasta wegen seiner Karies-vorbeugenden Wirkung. Aktuell ist Xylit recht populär, da er gegen den recht unpopulär gewordenen Zucker ausgetauscht werden kann. Die toxische Dosis liegt bei 0,15-16 g kg/KG, ab der Aufnahme von 0,1 g sollte der Hund stationär aufgenommen werden!

Zwiebeln und andere Lauchgewächse

Hierzu zählen Zwiebeln, Knoblauch, Lauchgewächse, sowie auch Bärlauch oder Schalotten. Die enthaltenen Toxine werden durch Erhitzung, Trocknung oder Verarbeitung nicht zerstört, jedoch durch Erhitzung abgemildert und können zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen führen (hämolytische Anämie).

Als toxische Dosis gelten:

  • Knoblauch: 5 g / kg KG
  • Zwiebeln: 5 g / Kg KG

Eine mittelgroße ganze Zwiebel kann für einen Hund von 10 kg giftig sein. Sowohl Zwiebeln als auch Knoblauch können jedoch auch beim Hund viele gesundheitsfördernde Wirkweisen haben, wie sie auch bei uns Menschen bekannt sind. Die Mengen, die beim Kochen eingesetzt werden, sind i. d. R., zumal verteilt auf die entsprechende Menge z. B. einer Suppe, von der der Hund wiederum nur einen geringen Anteil bekommt, unproblematisch.

Eine Besonderheit gibt es bei Akitas, Shibas und Shar Peis mit erblich erhöhter Erythrozytenzahl und vermindertem Glutathion (Schutz gegen Oxidation)- und Kaliumgehalt im Serum. Sie reagieren empfindlicher auf Zwiebeln und sollten daher entsprechend nicht damit gefüttert werden.

Die Dosis macht das Gift und es wird selten so heiß gegessen wie gekocht!

Nahrungsmittel sind giftig für Hunde, wenn die Dosis nicht mehr passt. Oft trifft das dann jedoch auch auf uns Menschen zu. Nur selten sind die Nahrungsmittel ganz speziell nur für den Hund problematisch, das würde auch der gemeinsamen Evolution von Mensch und Hund widersprechen.

Quellenhinweise:
https://www.whole-dog-journal.com/food/can-dogs-eat-avocado/
Dr. Rückert: Das Salz des Lebens

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Über Anke Jobi 83 Artikel
Anke Jobi, 1967 geboren, wohnt im oberbergischen Land in der Nähe von Köln. Sie ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Buchautorin (Clean Feeding) und schreibt als freie Autorin für diverse Printmagazine.

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