Immunsystem stärken – Für Hund und Halter/in

Ernährung dient – was vielen in der heutigen Zeit leider nicht mehr klar ist – dem Zweck, den Organismus mit allen Nährstoffen zu versorgen, die er benötigt, um seinen vielfältigen Funktionen nachzukommen. Eine wichtige Funktion ist die Abwehr von Gefahren, also Erkrankungen.

Medizin = Reparaturwerkstatt?

Wenn man dem Mainstream folgt, entsteht manchmal der Eindruck, die Medizin wäre mittlerweile eine Art Reparaturwerkstatt mit einem großen Ersatzteillager, die von den Krankenkassen finanziert wird. Für den Hund gibt es keine gesetzlichen Krankenkassen, vielleicht sieht sich ja deshalb eine Vielzahl der Hundehalter/innen in der Verantwortung, wenn es um die Gesundheit der vierbeinigen Familienmitglieder geht. Und zwar nicht erst, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sondern schon lange vorher.

Gesunde Hundeernährung boomt nämlich. Ernährung nach Plan, damit der Hundeorganismus bestens gerüstet ist, ist für viele Hundehalter normal. Auch wenn das oft deutlich übertrieben wird, wenn die Nährstoffe mg-genau zugeführt werden sollen, könnten sich viele Menschen von den Hundehaltern durchaus eine Scheibe abschneiden.

Die Mikrobe ist nichts …

Wenn es darum geht, den Körper und das Immunsystem zu stärken, damit die Abwehr von Krankheitserregern bestmöglich funktioniert, spielt die Ernährung eine Schlüsselrolle. Dabei ist der Unterschied zwischen Hund und Mensch gar nicht so groß! Es gibt eine ganze Reihe Maßnahmen, die bei Mensch und Hund gleichermaßen eingesetzt werden können, um die „Gesundheitspolizei“ im Körper stark zu machen.

Tipps für ein starkes Immunsystem bei Mensch und Hund

Die größten Chancen auf Gesundheit hat man nicht, indem man ständig versucht, Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Co zu bekämpfen, sondern indem man den Organismus entsprechend stärkt. Denn, wie Louis Pasteur, Biochemiker und Mitbegründer der medizinischen Mikrobiologie, auf dem Sterbebett vor über 100 Jahren gesagt haben soll: „Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles!“.

1. Gesunder Darm = gutes Immunsystem

Schon Hippokrates, der vor mehr als 2000 Jahren lebte und als Begründer der Medizin als Wissenschaft gilt, wusste:

„Alle Krankheiten beginnen im Darm!“

Der Darm – ganz besonders der Dickdarm – beherbergt ca. 80% der Immunzellen. Eine große Rolle spielt die Mikrobiota (Darmflora), denn sie versorgt diese Zellen mit wichtigen Nährstoffen. Eine gesunde Darmflora sorgt dafür, dass sich Keime, die eine potentiell pathogene Wirkung haben, nicht vermehren können und unterstützt viele wichtige Funktionen, die das Immunsystem gesund und fit halten.

Antibiotika sind ein typisches Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Segen zum Fluch wird. Ursprünglich war die Entdeckung von Antibiotika ein großer Fortschritt für die Medizin, der viele Leben retten konnte. Der heutige missbräuchliche Umgang damit (auch in Veterinärpraxen!) bewirkt jedoch mittlerweile das Gegenteil.

Antibiotika wirken sich sehr negativ auf die wichtige Darmflora aus, denn sie zerstören nicht nur schlechte Keime, sondern machen quasi einen Kahlschlag. Das wäre kein Problem, wenn es eine Art Notfall-Maßnahme wäre, die einmalig oder zumindest sehr selten vorkommt. Heute sind Antibiotika aber bei unterschiedlichsten Krankheitssymptomen das „Mittel der Wahl“, ohne dass vorher überhaupt geprüft wird, ob es sich tatsächlich um eine gefährliche Infektion durch Bakterien handelt. So kommt es zu einem „Tabula rasa“ nach dem anderen und die guten Mikroorganismen haben gar keine Chance mehr, sich wieder zu etablieren.

Wie die Besiedlung der Darmflora aussieht, hängt auch entscheidend von der Ernährung ab. Denn welche Bakterien im Darm gestärkt werden, hängt davon ab, welche Nahrung sie bekommen.

2. Du bist was du isst!

Eine stark fleischlastige Ernährung als Beispiel kann die Vermehrung von Keimen wie z. B. Clostridien mit potentiell pathogenen Eigenschaften fördern. Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht, können sich Bakterien vermehren, die die Entzündungsbereitschaft im Organismus erhöhen.

Billigfleisch weglassen, denn Geiz ist nicht geil!

Nicht nur zu viel Fleisch, sondern auch das falsche Fleisch kann die Gesundheit negativ beeinflussen. Fleisch aus Massentierhaltung fördert die Verbreitung von Keimen, die resistent gegen Antibiotika sind und kann die Entstehung von Entzündungen fördern. Es lohnt sich, den Fleischkonsum zu senken, dafür auf qualitativ hochwertiges Fleisch zurückzugreifen. Da wir aktuell sehr bedacht darauf sind, Keime fernzuhalten, ist dies allemal der richtige Weg.

Her mit den Ballaststoffen!

Sehr wichtige Nahrung für gute Darmbakterien sind Ballaststoffe aus pflanzlichen Nahrungsmitteln: die Bestandteile der pflanzlichen Nahrungsmittel, welche nicht verdaulich sind. Nicht verdaulich heißt, sie bleiben übrig, nachdem den Nahrungsmitteln die Nährstoffe entzogen worden sind.

So wirken Ballaststoffe u. a.:

  • Ballaststoffe bilden Nahrung für die Darmbakterien und schaffen ein Milieu, das die Vermehrung jener Bakterien unterstützt, die zu einer gesunden Darmflora gehören.
  • Quellfähige Ballaststoffe wie z. B die Beta-Glukane (enthalten vor allem in Hafer und Gerste) sind in der Lage, im Darm die Aufnahme von Kohlenhydraten und Fettsäuren zu vermindern, wodurch Übergewicht entgegen gewirkt werden kann, während sie trotzdem sättigend wirken.
  • Die Darmbakterien produzieren bei der Verdauungsarbeit an den Ballaststoffen Stoffwechselprodukte, welche den pH-Wert im Darm beeinflussen. Hierdurch schaffen sie eine gute Grundlage für gesunde Bakterienstämme, unterstützen das Wirken von Enzymen und die Aufnahme von Mineralstoffen aus den Ballaststoffen.
  • Ballaststoffe haben eine regulierende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel, den Cholesterinspiegel und senken so auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Durch die Fermentierung von Ballaststoffen werden kurzkettige Fettsäuren gebildet, deren Vorhandensein unverzichtbar ist für die Gesundheit des Darms. Sämtliche Darmerkrankungen gehen mit einem Mangel an wichtigen kurzkettigen Fettsäuren einher.

Ballaststoffe tragen also dazu bei, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, wirken Übergewicht entgegen (einem der größten Risikofaktoren überhaupt!!), regulieren den Blutzuckerspiegel und den Cholesterinspiegel und beugen diversen Darmerkrankungen vor. Das gilt auch für den Hund, wie schon gesagt.

Hohe Anteile an Ballaststoffen finden sich in Vollkorngetreide (Flocken, Nudeln, Getreidebreie, Reis, Brot) Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und geringere Mengen in Gemüse und Obst. Je weicher oder wässriger die Pflanzenteile, desto weniger Ballaststoffe sind enthalten.

3. Die Versorgung mit Nährstoffen

Damit der Organismus gut funktionieren kann, ist die Nährstoffversorgung allgemein natürlich ein wichtiger Faktor. ALLE Nährstoffe, die benötigt werden – also Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe – sollten ausgewogen in der Ernährung enthalten sein.

Während die Hundehalter hier dazu neigen, zu übertreiben, ist dieser Faktor den meisten Menschen allerdings ziemlich schnuppe: „Wie, in Cola und Chips sind keine wichtigen Nährstoffe?“… Egal, Hauptsache es schmeckt. Man muss ja kein Mönch werden, aber eine gewisse Sorgfalt im Hinblick auf das, was man isst, kann nicht schaden …

Einige Nährstoffe sind für das Immunsystem und den Darm besonders wichtig. Die Versorgung sollte stimmen, damit die Abwehr von Erkrankungen bestmöglich funktioniert, so z. B.:

  • Ein Mangel an Vitamin D kann eine Dysbiose – also ein Ungleichgewicht in der Darmflora –  begünstigen. Durch einen Mangel an Vit. D wird die Produktion der sogenannten Defensine herabgesetzt. Defensine sind Peptide, die in allen tierischen Organismen vorkommen. Sie werden in der Darmschleimhaut gebildet und haben Einfluss auf die Dichte der Schleimhaut, tragen dazu bei, schlechte Bakterien fernzuhalten und sorgen mit für eine ausgewogene Besiedlung der Darmbakterien. Bei einem Vitamin D-Mangel kann die Darmschleimhaut folglich mangels Defensine dünner/undicht werden, es können sich ungünstige (pathogene) Keime vermehren und die guten Bakterien weniger werden. Menschen decken einen Großteil ihres Vitamin-D-Bedarfs über das Sonnenlicht, allerdings reicht das nicht aus. Hunde benötigen sowieso Vitamin D im Futter, da sie wenig bis kein Vitamin D über die Sonne synthetisieren können. Vitamin D ist außerdem sehr wichtig für die Knochen, Zähne, die Bildung von Serotonin (Glückshormon) und ein Mangel soll sogar Krebserkrankungen begünstigen können.
  • Vitamin C spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern, denn es stimuliert die Bildung der Leukozyten, die wichtiger Bestandteil der Immunabwehr sind. Es hilft also, das Immunsystem zu stärken, kann außerdem die Wundheilung unterstützen, fördert den Abbau von Cholesterin zu Gallensäure, ist auch wichtig für die Entgiftungsfunktion der Leber und unterstützt die Bildung von Carnitin, was wiederum wichtig ist für die Herzgesundheit. Hunde sind in der Lage, in der Leber Vitamin C zu bilden. Da die Hundeleber heute aber oft sehr stark gefordert bis überfordert ist, aufgrund häufiger Medikamentengaben, Wurmkuren, Spot-Ons, Impfungen, etc., ist die Frage berechtigt, ob die Eigenbildung überhaupt ausreichend ist.
  • Omega-3-Fettsäuren können ebenfalls einen großen Beitrag zur Darmgesundheit leisten. Viele heutige Erkrankungen, wie z.B. Allergien, gehen mit Entzündungsgeschehen im Organismus einher, dabei spielt auch der Darm eine große Rolle. Omega 3 Fettsäuren fördern eine gesunde Darmflora und senken den Anteil an Bakterien, die entzündungsfördernd wirken. Entzündungen fördern sowohl die Entstehung, als auch das Fortschreiten von Krebserkrankungen. Da Omega-3-Fettsäuren Entzündungen entgegen wirken, haben sie auch eine Krebs-präventive Wirkung. Sie können sich sogar bei Übergewicht günstig auswirken, da sie die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure hemmen, welche Übergewicht begünstigt.

4. Bewegung und frische Luft

Bewegung und frische Luft sind Faktoren, die gerne vergessen werden. Lieber allem aus dem Weg gehen, was „gefährlich“ werden könnte und „zuhause bleiben“. Das ist aber grundfalsch. Damit das Immunsystem gut arbeiten kann, braucht es beides. Bewegung ist natürlich auch ein sehr wichtiger Faktor im „Kampf“ gegen Übergewicht und Übergewicht wirkt nachweislich lebensverkürzend. Lt. RKI sind in Deutschland ca. 1/4 der Erwachsenen stark übergewichtig (adipös) und lt. einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kann das die Lebenserwartung im Schnitt um fast drei Jahre reduzieren. Bis 2050 soll es demnach rund 92 Millionen entsprechende vorzeitige Todes­fälle geben.

5. Ruhe, Entspannung und ausreichend Schlaf

Jeder hat den Satz schon einmal gehört: „In der Ruhe liegt die Kraft!“. Stress, Unruhe, gar Angst machen körperlich krank, das Immunsystem wird MASSIV geschwächt. Ursachen dafür sind u. a. ein dauerhaft erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol und die ständige Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Dieses lässt den Blutdruck steigen und das Herz schneller schlagen. Und auch bei Schlafmangel wird die Funktion des Immunsystems reduziert.

Leben ist gefährlich!

„Da draußen“ lauern jede Menge Gefahren und man kann nicht allen aus dem Weg gehen. Wenn man LEBT, ist das einfach nicht möglich. Es gibt unzählige Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, sie sind überall um uns herum, ja sogar IN uns. Die beste Strategie ist nicht GEGEN sie, sondern MIT ihnen zu leben, indem man die natürliche Polizei – das Immunsystem – bestmöglich stärkt und ausstattet.

Und noch einmal als Wiederholung, damit es klar ist: All das gilt für uns Menschen ebenso wie für unsere Hunde.

Weiterbildung rund um die Hundeernährung

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Artikel – ich bin erst aufgrund von Recherche auf deinen Blog gestoßen.
    Eine Frage noch – wenn der Hund Vitamin D über das Futter abbildet – wie kann ich das unterstützen?
    Merci!

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