Ausgewogenes Hundefutter selber machen – so geht das ganz einfach!

Die Zahl der Hundehalter, die ihren Hund mit frischen Nahrungsmitteln gesund ernähren möchten steigt. Immer mehr Hundehalter möchten ausgewogenes Hundefutter selber machen. Die Verunsicherung ist jedoch groß, schließlich wurde ihnen jahrzehntelang eingebläut, dass man einen Hund nur mit Fertigfutter gesund ernähren kann.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du für deinen Hund ausgewogenes Hundefutter selber machen kannst. Ganz einfach und unkompliziert, ohne Futterkonzept. Ich zeige dir, wie du Rationen selber gestalten kannst, wie du die Futtermenge deines Hundes leicht errechnen kannst und worauf du achten solltest, damit dein Hund gut mit Nährstoffen versorgt ist.

Was ist der Zweck von Ernährung?

Ernährung dient in erster Linie dem Zweck, den Organismus mit allen Nährstoffen zu versorgen, die er benötigt, um all seinen Funktionen nachkommen zu können. Pflanzen als Beispiel benötigen dazu keine Ernährung, sie nutzen Licht, Wasser und auch Kohlendioxid um benötigte Stoffe daraus zu produzieren. Tiere und auch Menschen sind heterotrophe Organismen und müssen benötigte Stoffe von außen zuführen. Sie brauchen also Nahrung.

Evolution und Ernährung

Als Evolution bezeichnet man die genetische Anpassung von Lebewesen an die Außenwelt, Umstände, etc. über einen längeren Zeitraum. Charles Darwin, der einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler war, sagte dazu:

Weder die stärkste noch die intelligenteste Spezies überlebt, sondern jene, die sich am besten dem Wandel anpasst!

Überleben – oder anders ausgedrückt die Erhaltung der Art – ist die wichtigste Triebfeder. Nur wer sich im Laufe der Jahrtausende an veränderte Bedingungen, an ein verändertes Nahrungsangebot angepasst hat, hat den Fortbestand der eigenen Art gesichert.

Hätten Hunde sich nicht an das Nahrungsangebot angepasst, das Menschen ihnen zur Verfügung gestellt haben, hätten sie nicht überlebt. Daher ist es völlig unsinnig zu glauben, ein Hund müsse heute, zigtausende Jahre nach seiner Domestizierung, wie ein Wolf ernährt werden.

Ebenso unsinnig ist es natürlich zu denken, ein Hund müsste in seinem Futternapf ständig abgezählte Nährstoffe bekommen. Diese Idee ist noch sehr jung im Vergleich zur Geschichte des Hundes und hat ihren Ursprung in der Werbestrategie der Futtermittelindustrie.

Wie funktioniert natürliche Ernährung?

Noch bis vor rund 100 Jahren war die Ernährung der Menschen und somit auch ihrer Hunde eng mit der Natur verknüpft. Es stand einem nicht ständig alles zur Verfügung. Weder wurden Nahrungsmittel rund um die Erdkugel bis ans andere „Ende der Welt“ transportiert, noch konnte man mithilfe von Gefrierschränken und Konserven alles quasi unendlich lange lagern. Fleisch war zu dieser Zeit noch ein wertvolles Nahrungsmittel, das nur sehr begrenzt verfügbar war. Entsprechend wurde die Ernährung von Mensch und auch Hund gestaltet und variierte, je nachdem, wo man lebte.

Die Nährstoffversorgung war mehr oder weniger durch die zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel vorgegeben. Nahrungsergänzungsmittel kannte man noch nicht, dafür aber die Wirkweisen der Nahrungsmittel oder auch Kräuter.

Heute isst man nicht mehr, was die Natur gerade hergibt, sondern worauf man Lust hat. Ein mehr oder weniger natürliches Gleichgewicht kann es so nicht mehr geben.

Um sich selber und auch den Hund ausgewogen mit Nährstoffen zu versorgen, kann es auch heute hilfreich sein, sich wieder an natürlichen Abläufen zu orientieren. Dazu kann z. B. gehören, Gemüse und Obst saisonal auszuwählen, Nahrungsmittel zu fermentieren (wie das geht, habe ich HIER beschrieben), Fleisch nur in geringen Mengen zu konsumieren.

Im Folgenden zeige ich dir, wie du ausgewogenes Hundefutter leicht selber machen kannst.

Wie berechnet man die Futtermenge?

Der wichtigste Faktor bei der Fütterung ist die Versorgung mit Energie. Die meiste Energie wird benötigt, um die Körpertemperatur zu regulieren. Kleine Hunde haben im Vergleich zu großen Hunderassen im Verhältnis gesehen eine größere Körperoberfläche und müssen daher im Verhältnis gesehen auch mehr Futter bekommen.

Auch weitere Faktoren können die benötigte Futtermenge beeinflussen. Das sind z. B.:

  • Aktivität
  • Kastration
  • Individueller Stoffwechsel
  • Alter
  • Temperament
  • Trächtigkeit oder auch Läufigkeit der Hündin

Die Futtermenge ist daher ein sehr individueller Faktor, den man nicht einfach mit einer Formel bestimmen kann. Bei uns Menschen ist das ja auch nicht anders. Der eine isst riesige Portionen und bleibt gertenschlank, der andere muss einen Pudding nur ansehen und hat schon 1 kg zugenommen.

Mit den folgenden Formeln kann man die benötigte Futtermenge grob festlegen. Stellt man das Futter des Hundes dann um, muss man die erste Zeit unbedingt sein Gewicht im Auge behalten, um die Menge eventuell zu korrigieren. *KG = Körpergewicht

Du fängst bei der Berechnung der Futtermenge also an mit dem 1. Faktor und arbeitest dich durch die weiteren Faktoren.

Ein Beispiel:

Ein Hund, der 10 kg wiegt, mäßig aktiv und kastriert ist:

4 % vom Körpergewicht: 400 g
für mäßig aktiv 400 x 1,25 = 500 g
kastriert 500 x 0,8 = 400 g Futtermenge

Jetzt musst du natürlich noch wissen, wie viel wovon im Futternapf landen sollte.

Wie stellt man die Rationen zusammen?

Für die ausgewogene Zusammenstellung einer Futterration sind 2 Kenngrößen ausschlaggebend. Das ist zum einen die Versorgung mit Energie, zum anderen die mit Proteinen. Energie ist, wie schon erwähnt, der wichtigste Faktor für die Futtermenge. Proteine sind sehr wichtig, weil sie den Organismus mit essentiellen Baustoffen versorgen, die er benötigt. Der Organismus befindet sich permanent in einem Auf- Ab- und Umbau, daher sind Proteine sehr wichtig.

Proteine sind aber nicht gleich Proteine. Eigentlich benötigt der Körper die Aminosäuren, aus denen Proteine bestehen. Für den Hund gibt es 10 Aminosäuren (für den Menschen sind es 11) die essentiell sind, also mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.

Tierische Proteine haben gegenüber pflanzlichen den Vorteil, dass sie eine ziemlich günstige Zusammensetzung der Aminosäuren haben. Wer einfach auf Nr. Sicher gehen möchte, sollte den Hund daher mit einer ausreichenden Menge tierischer Proteine versorgen. Dafür sollte die Ration zu etwa 40-50 % aus tierischen Proteinquellen bestehen.

Für die Versorgung mit Energie sind zum einen Fett, zum anderen Kohlenhydrate wichtig. Fett liefert zudem noch essentielle Fettsäuren, sollte daher auf jeden Fall vorhanden sein. Kohlenhydrate liefern ausgesprochen wichtige Ballaststoffe mit, sollten daher im ausgewogenen Hundefutternapf ebenfalls vorkommen. Wie groß der Anteil sein darf, ist auch von der Rasse abhängig. Wie Hunde Kohlenhydrate verwerten können, habe ich HIER beschrieben.

Das heißt, du solltest nun auch deinen individuellen Hund ein wenig betrachten und dir folgende Fragen stellen:

  • Wo stammt die Rasse her, wie ernähren sich die Menschen dort?
  • Was war im bisherigen Futter des Hundes enthalten und wie hat er das vertragen?

Die meisten Hunde können mit Kohlenhydraten sehr gut umgehen, daher ist es im Normalfall gut für den Hund, einen entsprechend hohen Anteil Kohlenhydrate in die Ration zu integrieren. Besonders, wenn du deinen Hund nachhaltig füttern möchtest, kannst du die Rationen folgendermaßen zusammenstellen:

In den meisten Fällen wird der Hund mit dieser Zusammensetzung gut zurechtkommen. Welche Komponenten du im Einzelnen wählst, kannst du von deiner eigenen Ernährung und auch von der Verfügbarkeit abhängig machen.

Beispiel:

Der 10 kg Hund könnte dann bekommen:

  • 160 g Fleisch (möglichst mittelfett)
  • 160 g gekochte Kartoffeln
  • 80 g Gemüse (gekocht oder roh geschreddert)

Natürlich solltest du dich auch bei der Zusammensetzung nicht in peinlich genau berechnete Mengen „verrennen“. Das heißt: du darfst hier aufrunden. Als Beispiel ist es Unsinn, dem Hund 128 g Gemüse zu geben. Du DARFST daraus dann 130 oder sogar 150 machen. Oder auch 100 g, wenn du nicht mehr im Kühlschrank hast. Stell dir immer wieder vor, nach welchen Kriterien du deinen eigenen Teller füllst. Das kann dabei helfen, auch beim Hundefutter etwas entspannter zu bleiben.

Welche Nahrungsergänzungen benötigt der Hund?

Bleibt noch die Frage, welche Ergänzungen der Hund nun noch benötigt, damit die Ration wirklich „rund“ ist.

Wie du nun weißt, müssen auch für den Hund die Nährstoffe nicht permanent abgezählt werden. Es geht lediglich darum, eine ausgewogene Grundversorgung sicherzustellen. Mit einem Rationsrechner (den du natürlich nicht brauchst) kann man sich einen Überblick über die Nährstoffversorgung verschaffen. Schauen wir uns kurz an, wie der Hund aus unserem Beispiel nun versorgt wäre:

Grafik erstellt mit napfcheck® Rationsrechner

Wie du siehst, sind der Energiebedarf (ME) und der Proteinbedarf (Rp) schon recht gut abgedeckt. Es ist übrigens völlig in Ordnung, dass man den Bedarf nicht exakt trifft (das wäre die horizontale schwarze Linie). Die Proteinversorgung ist sogar schon über dem Bedarf (das heißt, es wäre auch kein Problem, wenn es weniger wäre). Der Energiebedarf ist etwas darunter, was aber ebenfalls unproblematisch ist, zumal der Hund i. d. R. noch weitere Komponenten wie Leckerchen bekommt.

Außerdem kann man zu dieser Ration ruhig immer oder zumindest öfter mal noch ein gutes Öl geben, um die Versorgung mit den essentiellen Fettsäuren zu verbessern. Besonders die Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle, darüber habe ich HIER schon berichtet.

Je nach Gewicht des Hundes kannst du zum Futter 1 TL bis 2 EL von einem guten Öl zugeben, wie z. B. Leinöl, Lachsöl oder Hanföl. Schauen wir, wie sich das im Rationsrechner bemerkbar macht, wenn wir dem Beispielhund 1 TL (5 g) Leinöl zum Futter geben:

Grafik erstellt mit napfcheck® Rationsrechner

Wie du siehst ist die Versorgung mit Energie noch etwas angestiegen. Die Versorgung mit essentiellen Fettsäuren ist hier nicht einbezogen, da es dafür keinen festen Bedarfswert gibt.

Einige Nährstoffe liegen hier klar über dem Bedarf. Es handelt sich um B-Vitamine, bei denen eine Überversorgung unproblematisch ist. Einige sind jedoch noch weit unter dem Bedarf, daher ist es nötig, hier noch etwas zu ergänzen.

Will man diese Nährstoffe alle einzeln und über natürliche Quellen ergänzen, wird es etwas komplizierter. Das ausführlich zu erläutern würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Falls du dich auch damit intensiv befassen möchtest, kann ich dir meinen Online-Kurs „Nährstoffe und Nahrungsergänzungen“ empfehlen.

Die einfache Variante sind Komplettergänzungen, die all die Nährstoffe enthalten, welche bei einer „normalen“ Fütterung zu kurz kommen. Wir nehmen für unser Beispiel einfach die  Komplettergänzung napfcheck Novomineral Cook IT und fügen sie der Ration in entsprechender Menge (in diesem Fall 4 g = 1 Messlöffel) hinzu:

Grafik erstellt mit napfcheck® Rationsrechner

Wie du siehst, sind wir nun überall quasi im grünen Bereich. Einige Nährstoffe sind sogar über dem Bedarf, was jedoch in diesen Mengen unproblematisch ist. Es zeigt aber auch, dass es gar nicht nötig ist, eine solche Ergänzung jeden Tag zu geben. Wenn du so eine Komplettergänzung 3-4- mal die Woche zum Futter gibst, dürfte dein Hund gut versorgt sein.

So einfach ist es also, ausgewogenes Hundefutter selber zu machen. Wenn du Inspiration benötigst, kannst du auch meine Rezepte nutzen, um Rationen für deinen Hund zu erstellen. Du kannst die hier gelernte Mengenberechnung natürlich auch dafür verwenden.

Damit du gleich loslegen kannst, habe ich dir noch eine Vorlage in PDF-Format zum ausdrucken erstellt, mit der du dir einen guten Überblick über die Fütterung deines Hundes verschaffen kannst (Klick HIER).

Anmerkung: diese Rationsgestaltung bezieht sich auf den ausgewachsenen Hund. Hunde im Wachstum haben andere Bedürfnisse und müssen entsprechend anders versorgt werden. Hierzu wird es bald einen Online-Kurs der Clean Feeding Akademie geben. Wenn du darüber informiert werden möchtest und von Rabatten für neue Online-Kurse profitieren möchtest, komm in die Clean Feeding Community.

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Über Anke Jobi 79 Artikel
Anke Jobi, 1967 geboren, wohnt im oberbergischen Land in der Nähe von Köln. Sie ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Buchautorin (Clean Feeding) und schreibt als freie Autorin für diverse Printmagazine.

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