Wenn die Natur uns eine reinhaut …

Die Welt steht Kopf. Corona hat innerhalb weniger Tage unser Land lahmgelegt. Schulen, Kindergärten, Geschäfte, Sportplätze, ja sogar Kinderspielplätze wurden geschlossen. Das öffentliche Leben findet nicht mehr statt. Angst und Schrecken werden verbreitet, die Menschen tätigen Hamsterkäufe und horten Toilettenpapier. Corona-Ticker informieren täglich über die Zahlen der Infizierten und der Todesfälle.

Man kann fast sagen, es ist ein apokalyptisches Szenarium. Ein Virus geht um die Welt. Man sagt, es wäre ein neues Virus, das die Menschen befällt. Eins von unzähligen anderen, denn Säugetiere sollen weltweit etwa 320.000 Virenarten beherbergen. Es gibt sogar mehr Viren, als Sterne am Himmel.

Viren sind Öko

Der Organismus bildet mit seinen Mikroorganismen, zu denen u. a. neben Bakterien noch viel mehr Viren gehören, ein Ökosystem. Das heißt, sie führen mit dem Organismus eine Art Lebensgemeinschaft, in der man sich gegenseitig braucht. Ein Virus ist nicht darauf aus, den Organismus zu töten, sondern lediglich sich zu vermehren und zu überleben.

Viren waren Triebkräfte der Evolution

Viren gibt es auch schon ganz lange, viel, viel länger, als es uns gibt. Der ständige, wiederkehrende Kontakt mit Viren soll sogar ein wichtiger Einflussfaktor in unserer Evolution gewesen sein. Eine Population, die von einem Virus befallen wird, passt sich entweder an oder stirbt aus. Viren sollen möglicherweise zu den stärksten Triebkräften der Evolution gehört haben, einerseits durch Antrieb zu erforderlichen Anpassungen, andererseits durch Symbiose.

Ob ein Virus dazu führen oder beitragen kann, dass ein Organismus erkrankt, hängt neben dem einzelnen Virus und seinen Eigenschaften auch von weiteren Faktoren ab, wie z. B. dem Gesundheitszustand und dem Immunstatus des Wirts. Manche Viren können sogar eine Art Schutzschild gegen andere Viren sein.

Zoonosen

Unter Zoonosen versteht man Erkrankungen, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können, z. B. über Viren oder auch über Bakterien, Parasiten, Arthropoden (Gliederfüßer wie Insekten oder Spinnen), Würmer oder auch Prionen (entartete Proteine). Bekannte Zoonosen sind z. B. die Tollwut, Malaria, Vogelgrippe, Borreliose, Toxoplasmose, Salmonellose oder auch Leishmaniose. Auch die Erkrankung SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), die von Coronaviren ausgelöst wird, zählt zu den Zoonosen.

Die Ansteckung mit Keimen, bzw. Erregern erfolgt über verschiedenste Wege. Neben direktem Kontakt, Luft und sogenannten Vektoren (z. B. Zecken oder Mücken) kann sie auch über Lebensmittel erfolgen.

Globalisierung fördert Zoonosen

Im Zuge der Globalisierung, durch die die Menschen weltweit viel näher zusammengerückt sind, hat sich natürlich auch die Möglichkeit der Ausbreitung von Zoonosen verstärkt. Man muss kein Wissenschaftler sein, um diese Entwicklung zu verstehen. Je mehr die Erreger durch die Welt getragen werden, desto größer das Potential der Ansteckung.

Störungen im Ökosystem

Das ist aber nicht alles. Durch unseren massiven Eingriff in die Ökosysteme provozieren wir die Ausbreitung solcher Zoonosen. Schon 2010 haben Wissenschaftler davor gewarnt, dass die Abholzung der Regenwälder die Ausbreitung der Malaria massiv begünstig. Die Mücke, die Malaria überträgt, erhält durch die Abholzungen verbesserte Lebensbedingungen.

Auch die Massentierhaltung fördert die Ausbreitung von Krankheitserregern und Zoonosen. Die Form der Tierhaltung, die Schlachtung und Vermarktung haben als Beispiel großen Einfluss auf das Vorkommen von Salmonellen. Salmonellose steht an erster Stelle der durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten.

Multiresistente Keime, die jährlich für mehr als 33.000 Tote (Stand 2018, 2015 sprach man noch von 10.000 bis 15.000) in Europa verantwortlich sein sollen, werden durch Massentierhaltung ebenfalls gefördert.

Solche Keime können durch Tierkontakt, bei der Schlachtung oder über Tierkot, Stallmist, der als Dünger eingesetzt wird, in die Umgebung und in die Lebensmittelkette und letztendlich zum Menschen gelangen. 2015 wurden bei einer Untersuchung durch den Bund bei 88% von im Discounter verkauften Putenfleisch-Proben antibiotika­resistente Keime gefunden.

Klimawandel und Zoonosen

Auch der Klimawandel wirkt sich auf die Ausbreitung von Zoonosen aus. Alleine durch die Erwärmung wird der Lebensraum vieler Parasiten ausgeweitet, sie werden an Orten heimisch, wo man sie vorher nicht vorgefunden hat. Die natürliche Regulierung durch Kältephasen erfolgt nicht mehr, wodurch sich z. B. Mäusepopulationen, die ein bestimmtes Virus übertragen können, nicht mehr durch Kälte im Winter zurückbilden. Auch bei der Salmonellose rechnet man damit, dass es bei einer  fortschreitenden Erwärmung zu einem Anstieg der Infektionen kommen wird.

Man kann sagen, dass sich vor allem Infektionskrankheiten, die schon jetzt zur zweithäufigsten Todesursache weltweit zählen sollen, durch den Klimawandel weiter ausbreiten werden. Den Zoonosen kommt dabei eine große Bedeutung zu, sie sollen durch das Klima besonders stark beeinflusst werden.

Der Natur sind wir egal!

Die Natur ist nicht abhängig von uns. Wenn der Mensch von der Erde verschwunden ist, wird es die Natur auch weiterhin geben. Sie kann alleine, ganz ohne unsere Hilfe in ihr Gleichgewicht zurückfinden. Das Ungleichgewicht, das wir Menschen durch unser massives Eingreifen verursachen, zeigt sich immer mehr. Solange wir nicht damit aufhören, das Ökosystem in der Natur massiv zu stören, wird die Natur uns immer deutlicher zeigen, dass da etwas gewaltig schiefläuft.

Die Ausbreitung von Zoonosen und jetzt auch die Verbreitung dieses Corona-Virus ist nur eins vieler Beispiele dafür. Der Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin Johannes Vogel meint dazu: Dieses Virus ist auch der Preis unserer Ausbeutung der Natur!

Wer also jetzt meint, es wäre ein guter Zeitpunkt, sich über die Fridays for Future Bewegung lustig zu machen, indem man jungen Menschen (Schulschwänzern) empfiehlt, doch jetzt ENDLICH einmal etwas sinnvolles zu tun, indem sie die durch unsere gecrashte Wirtschaft fehlenden Erntehelfer ersetzt, sollte vielleicht kurz einmal innehalten.

Denn … wir wurden gewarnt! Laut und deutlich hat die FfFB gefordert, schnellstmöglich alle nötigen Maßnahmen umzusetzen, um den Klimawandel zu verlangsamen.

Die meisten Menschen hat das leider nicht gejuckt. Obwohl als Beispiel die Landwirtschaft nachweislich vor allem durch die Intensivtierhaltung für den Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich ist, hatten nur wenige wirklich Lust, auf ihr tägliches Schnitzel zu verzichten. Jetzt laufen sie mit Mundschutz durch die Gegend, horten Klopapier und Desinfektionsmittel und schreien „Körperverletzung!!“, wenn jemand in ihrer Nähe hustet.

Wollen wir WIRKLICH so weitermachen?

Was, wenn COVID-19 erst der Anfang ist? Wollen wir dann nun jedes Jahr, wenn sich ein neuer Erreger zu uns auf den Weg gemacht hat, unsere Wirtschaft und unsere Grundrechte gegen die Wand fahren, um die Ausbreitung zu verhindern?

Wäre es nicht sinnvoller, endlich einmal den Forderungen der Wissenschaftler zu folgen, unser Klima und damit uns selber zu schützen? Auch vor der Ausbreitung von Zoonosen?

Wäre es nicht toll, wenn die Politik so schnell, wie sie jetzt auf die (auch klimabedingte) Ausbreitung eines Virus reagiert, mit nötigen Veränderungen für den Klimaschutz aufwarten würde?

Was wenn wir ALLE unser Leben jetzt endlich verändern, um nicht nur kurzfristig, sondern LANGFRISTIG unsere Umwelt und damit auch die Eindämmung von Erkrankungen wie Zoonosen zu fördern?

Fleischkonsum reduzieren, kein Fleisch aus Massentierhaltung, dafür kleine Mengen aus artgerechter Haltung, mehr pflanzliche Nahrungsmittel, die nachhaltig produziert wurden, weniger Nahrungsmittel verschwenden (Reste für den Hund!), mit dem Korb zum Einkauf, statt jedes Mal eine Plastiktüte zu kaufen, mit dem Fahrrad oder Bus/Bahn zur Arbeit, statt mit dem Auto, freiwillig die Geschwindigkeit auf der Autobahn drosseln, den Garten nicht als Steinwüste sondern Insekten-freundlich gestalten …

Es gibt so viel, was jeder von uns im Einzelnen tun kann. Tun wir es jetzt doch einfach! Denn – JETZT sind wir gewarnt und es ist auch nicht mehr 5 vor 12.

Und übrigens …. eine gesündere Lebensweise durch ausgewogene Ernährung mit weniger Schadstoffe, sauberere Luft und Wasser, gutes Klima, ja sogar stressfreier Leben (Bleifuss runter z. B.) stärken das Immunsystem, was, wie wir weiter oben ja schon festgestellt haben, nicht unerheblich ist für die Entstehung einer Erkrankung.

Quellen u. a.:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/170849/Infektionskrankheiten-Klimawandel-als-Katalysator
https://www.rki.de/DE/Content/Gesund/Umwelteinfluesse/Klimawandel/Bundesgesundheitsblatt_2009_07.pdf?__blob=publicationFile
https://www.bund.net/themen/massentierhaltung/antibiotika/
https://www.bmbf.de/de/im-stall-und-auf-dem-feld-multiresistente-keime-sind-weit-verbreitet-1322.html
https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/krankenhauskeime-im-tierstall-gesundheitsforschung-in-der-landwirtschaft-2819.php
https://www.welt.de/gesundheit/article8089283/Abholzung-der-Regenwaelder-erhoeht-Malaria-Risiko.html
https://www.bfr.bund.de/de/bedeutung_der_salmonellen_als_krankheitserreger-537.html
https://www.tagesspiegel.de/politik/artensterben-und-naturzerstoerung-dieses-virus-ist-auch-der-preis-unserer-ausbeutung-der-natur/25676216.html
https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/der-nutzen-von-viren-im-menschlichen-koerper-14528200.html
https://www.scinexx.de/news/medizin/viren-als-triebkraefte-unserer-evolution/

Weiterbildung rund um die Hundeernährung

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