5 Tipps für eine gesunde Darmflora

Die Darmflora, fachlich korrekt als Mikrobiota bezeichnet, spielt auch beim Hund eine große Rolle für die Gesundheit. Sehr viele Erkrankungen werden mittlerweile mit den Darmbakterien in Verbindung gebracht (siehe folgende Grafik) und Dysbakterien (eine ungünstige Verschiebung der Bakterienbesiedlung im Darm) scheinen recht häufig vorzukommen.

Es ist daher naheliegend, diese Mikrobiota präventiv bestmöglich zu unterstützen. Im Folgenden erfährst du, was du tun kannst, um die Darmbakterien deines Hundes bestmöglich zu unterstützen.

1. Füttere die Darmbakterien mit Präbiotika

Präbiotika ist das Futter, das gute Darmbakterien benötigen, um ihren vielfältigen Aufgaben nachkommen zu können. Damit sich schlechte Darmbakterien nicht vermehren und ausbreiten können, muss man die guten entsprechend unterstützen. Präbiotika kennt man vor allem unter der Bezeichnung Ballaststoffe. So wurden sie ursprünglich genannt, weil man dachte, sie wären einfach nur Ballast, der ausgeschieden wird.

Heute weiß man, dass das so nicht stimmt. Ballaststoffe sind unverdauliche Bestandteile vor allem der pflanzlichen Nahrungsmittel, die den Darm und seine Bewohner auf verschiedene Weise unterstützen. Mit den richtigen Ballaststoffen kann man die Vermehrung der günstigen Darmbakterien unterstützen und das gilt auch für den Hund!

Ballaststoffe, die eine gesunde Darmflora fördern:

  • Inulin ist ein wasserlöslicher Mehrfach- und Vielfachzucker, der in einigen Pflanzen Stärke als Speicherkohlenhydrat ersetzt oder ergänzt und wird von Laktobazillen und Bifidobakterien, die zur typischen Flora im hündischen Darm gehören, als Nahrung genutzt. Besonders viel Inulin ist in Chicorée, Schwarzwurzeln, Topinambur, Pastinaken, Spargel oder auch Artischocken. Geringe Mengen finden sich z.B. auch in Weizenkleie und Bananen.
  • Fructooligosaccharide, kurz FOS, findet man häufig in Fertigfutter, um die Verdauung positiv zu beeinflussen. Sie zählen zu den wasserlöslichen Ballaststoffen und dienen vielen Darmbakterien als Nahrung, stärken die Schutzfunktion der Darmschleimhaut, regen die  Darmtätigkeit an sowie auch die Bildung von Bifidobakterien und Lactobacillen, welche zu den guten Darmbakterien zählen. Roggen, Hafer, Bananen, Tomaten oder auch Spargel enthalten FOS.
  • Resistente Stärke zählt zu den nicht wasserlöslichen Ballaststoffen. Stärke ist ein Kohlenhydrat, das in pflanzlichen Zellen einen der wichtigsten Reservestoffe bildet. Hunde können mit Hilfe des Enzyms Amylase Stärke als Energielieferant verwerten. Die Stärke in Nahrungsmitteln verändert sich z. B. durch Erhitzung und wird verdaulich. Wenn das Nahrungsmittel anschließend abkühlt, wandelt sich ein kleiner Teil dieser verdaulichen Stärke wieder in resistente Stärke um, die resistent ist gegen eine enzymatische Aufspaltung. Diese resistente Stärke wandert in den Dickdarm und dient dort guten Darmbakterien als Nahrung. Resistente Stärke ist z. B. enthalten in unreifen Bananen, kernigen Haferflocken, abgekühlten Kartoffeln, Reis und Haferbrei, Vollkornbrot, Hirse und auch Hülsenfrüchten.
  • Pektin ist eine wichtige Gerüstsubstanz in den Zellwänden von Pflanzen. Es ist wasserlöslich und bildet Gele, weshalb man Pektin als Geliermittel kennt. Der Name Pektin kommt vom griechischen „pektos“, was übersetzt gelieren/ erstarren heißt. Im Darm wirkt es sich positiv auf den pH-Wert aus, wodurch ein besseres Milieu entsteht, was z.B. auch zur Entlastung von Leber und Nieren beiträgt. Viele gute Darmbakterien ernähren sich von Pektin und bilden daraus kurzkettige Fettsäuren. Reich an Pektin sind Apfeltrester, die Schalen von Zitrusfrüchten oder auch Rübentrester. Geringe Anteile enthalten auch die anderen Gemüse- und Obstsorten.

Wenn der pflanzliche Anteil der Hunderation abwechslungsreich mit vielen guten Quellen dieser wichtigen Ballaststoffe gestaltet wird, werden die Darmbakterien des Hundes gut gefüttert. Weitere Infos zu den Ballaststoffen kannst du HIER nachlesen.

Auch Nahrungsmittel, die milchsauer vergoren sind, können die Darmbakterien stärken. Sie zeichnen sich vor allem durch die enthaltenen Milchsäurebakterien aus, diese wirken sich positiv auf das Darmmilieu aus, unterstützen das Immunsystem und auch eine gute Verdauung. Dafür eignen sich z. B. Milchprodukte wie Kefir oder Naturjoghurt, aber auch fermentiertes Gemüse. Wie man Gemüse fermentiert, kannst du HIER nachlesen.

2. Achte auf die Nährstoffversorgung

Auch die Nährstoffversorgung ist ein wichtiger Faktor, um die Darmbakterien bestmöglich zu unterstützen. Zum einen ist das natürlich grundsätzlich wichtig, damit der Organismus all seinen Funktionen bestmöglich nachkommen kann. Es gibt auch ein paar Nährstoffe, die besonders wichtig sind für eine gesunde Mikrobiota, wie z. B. diese:

  • Die Versorgung mit Vit. D nimmt Einfluss auf die Darmbakterien, daher sollte man für eine ausreichende Versorgung sorgen. Durch einen Mangel an Vit. D wird die Produktion der sogenannten Defensine herabgesetzt. Defensine sind Peptide, die in allen tierischen Organismen vorkommen. Sie werden in der Darmschleimhaut gebildet und haben Einfluss auf die Dichte der Schleimhaut, tragen dazu bei, schlechte Bakterien fernzuhalten und sorgen mit für eine ausgewogene Besiedlung der Darmbakterien. Mehr Infos zu diesem Thema gibt es in meinem Artikel Vitamin D- die Sonne im Hundenapf.
  • Die essentielle Fettsäure Omega-3 hat ebenfalls eine maßgebliche Wirkung auf die Darmflora. Sie fördert eine gesunde Darmflora und senkt den Anteil an Bakterien, die entzündungsfördernd wirken. Eine Ergänzung macht im Krankheitsfall und häufig auch beim gesunden Hund also Sinn. HIER kannst du nachlesen, was du über Omega-3-Fettsäuren wissen solltest.

3. Füttere hochwertige Proteine, vermeide Überversorgung

Proteine, bzw. tierische Nahrungsmittel als wichtigster Lieferant dieser Nährstoffe, werden beim Hund als ausgesprochen wichtig eingestuft. Das sind sie natürlich auch, denn sie liefern u. a. wichtige Baustoffe für Zellen, Gewebe wie Muskelfasern, Organe, Blut, Enzyme und auch verschiedene Hormone. Proteine werden aus Aminosäuren gebildet, von denen einige essentiell sind, also mit der Nahrung zugeführt werden müssen.

Je mehr die in der Nahrung enthaltenen Proteine in ihrem Aminosäuren-Aufbau den körpereigenen entsprechen, desto hochwertiger sind sie. Daher sind tierische Proteine sehr hochwertig, was für uns Menschen allerdings ebenfalls gilt. Bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln sind Hülsenfrüchte ebenfalls relativ hochwertige Proteinquellen, allen voran Soja.

Nicht zuviel und nicht zu schwer verdaulich:

  • Ein hoher Fleischkonsum kann die Bakterienbesiedlung im Darm negativ beeinflussen, so hat der Proteingehalt im Futter Untersuchungen zufolge einen maßgeblichen Einfluss auf die intestinale Mikrobiota, insbesondere die Relation von Clostridium perfringens zu Bifidobakterien. Überschüssiges Eiweiß kann dazu führen, dass im Dickdarm vermehrt Eiweiße-abbauende Bakterien gebildet werden, wie z.B. Clostridien, woraus sich eine Dysbakterie (Ungleichgewicht in der Besiedlung der Darmbakterien) entwickeln kann.
  • Auch die Fütterung vieler tierischer Bestandteile mit hohem Anteil an Bindegewebe (z. B. Pansen) kann sich negativ auswirken, da diese schwerer verdaulich sind. Dabei können vermehrt unverdaute Bestandteile der Proteine im Dickdarm ankommen, was ebenfalls zu einer Vermehrung ungünstiger Bakterien führen kann.

Es kann also im Hinblick auf eine ausgewogene Bakterienbesiedlung durchaus sinnvoll sein, den tierischen Anteil nicht allzu hoch zu gestalten. In diesem Sinne kann man es kritisch sehen, dass aktuell noch immer von vielen Seiten eine Fütterung mit bis zu 80% Fleisch in der Ration empfohlen wird.

Wie du den Proteinbedarf deines Hundes nachhaltig decken kannst, erfährst du HIER.

4. Sorge für Ruhe und Ausgewogenheit

Dass Stress auf den Magen schlägt, kennen wir ja. Das hat u. a. damit zu tun, dass der Verdauungstrakt eng mit dem zentralen Nervensystem verknüpft ist. Für die Verdauung ist Ruhe nötig, denn der Körper kann nicht gleichzeitig verdauen und sich mit Stress auseinander setzen. Die Verdauung bleibt dabei auf der Strecke. Die Hormone, die bei Stress und belastenden Situationen ausgeschüttet werden und die erschwerte Verdauung können sich negativ auf die Bakterienbesiedlung im Darm auswirken. Es kann so zu einem Rückgang der nützlichen Bakterien und einer Zunahme derer kommen, die potentiell pathogene Eigenschaften haben.

Deshalb ist es zum einen wichtig, für eine ruhige Atmosphäre rund um die Fütterung zu sorgen, sowie ausreichend Ruhe danach für eine optimale Verdauung. Aber auch sonst sollte ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ruhephasen und Beanspruchung herrschen. Nicht vergessen sollte man dabei, dass Hunde deutlich mehr Schlaf benötigen als wir Menschen und dass es durchaus als normal betrachtet werden kann, dass ein Hund bis zu 20 Stunden täglich ruhend oder schlafend verbringt.

5. Medikamente – gib soviel wie nötig, aber sowenig wie möglich

Medikamente haben immer auch einen Einfluss auf die Mirkobiota. Antibiotika als Beispiel wirken sich sehr negativ aus, denn sie zerstören nicht nur schlechte Keime, sondern machen quasi einen Kahlschlag. Heute sind Antibiotika bei unterschiedlichsten Krankheitssymptomen das „Mittel der Wahl“, ohne dass vorher geprüft wird, ob es sich tatsächlich um eine gefährliche Infektion durch Bakterien handelt. Aufgrund der negativen Folgen sollten sie nur verabreicht werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.

Es sind aber nicht nur Antibiotika, auch andere Medikamente wirken sich negativ aus. Leider wird auch bei unseren Hunden mittlerweile viel zu häufig und zu schnell zu Medikamenten gegriffen, wo sanftere Mittel vielleicht viel nachhaltiger helfen könnten. Auch ständige Wurmkuren oder andere Mittel gegen Parasiten haben auf die Darmbakterien negative Auswirkungen. Dabei entsteht natürlich ein Kreislauf, denn eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora wirkt geradezu anziehend auf Parasiten. Mehr dazu kannst du z. B. in meinem Beitrag zu den Würmern lesen.

Und  falls dein Hund wirklich mal nicht um ein Antibiotikum herum kommt, kannst du HIER nachlesen, wie du ihn mit Probiotika unterstützen kannst.

Fazit

Es gibt eine Reihe Maßnahmen, die man treffen kann, um die Gesundheit des Hundes über die wichtigen Bakterien im Darm zu unterstützen. Man muss nicht alles perfekt machen, aber hier und da ein bisschen an den genannten „Schräubchen“ drehen, kann nicht schaden.

Weiterbildung rund um die Hundeernährung

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